Kolumne: Warum ich keinen Lektor und Korrektor nutzen kann

Ja, „Weil du mir gut tust“ wurde nie lektoriert. Zwar wurde es korrigiert, doch das fehlende Lektorat merkt man. Bei meinem zweiten Roman, ProjectSeb (Zur Erinnerung: Das Buch wird am 08.02.2018 mit Trailer, Cover und Klappentext vorgestellt!) werde ich aber nicht mal ein Korrektorat nutzen.

Ein wichtiger Schritt meiner aktuellen Maßnahme zur Steigerung der Sozialkompetenz ist es, zu erkennen, was man besitzt und was nicht. Wie die eigene finanzielle Situation aussieht und was man damit erreichen kann. Das fängt bei kostengünstiger, gesunder Ernährung an und endet bei individueller Beratung. Als „Weil du mir gut tust“ entstand, hatte ich eine kleine Tätigkeit in der Gemeinwohlarbeit „Plus“ der Jugendberufshilfe. Diese half mir zum einen, mich sozial zu integrieren und brachte mir zum anderen ein kleines „Taschengeld“ ein. Nur dadurch war ich in der Lage etwas Geld für das Schreiben zurückzulegen und dann musste ich mich entscheiden: Nehme ich mir ein Lektorat oder ein Korrektorat? Die Frage ließ sich für mich und meine Situation schnell beantworten.

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Aufgrund meiner Lese- und Rechtschreibschwäche, strotzte das Manuskript meines ersten Romans nur so vor Grammatik-Fehlern und daher musste ich meine Einschränkung durch einen Korrektor kompensieren. Ich entschied mich also gegen das Lektorat und für das Korrektorat. Im Schnitt kostet ein Lektorat 5 € pro Normseite, ein Korrektor deutlich weniger, auch ein Faktor, den ich bei meiner Situation beachten musste.

Jetzt, einige Monate später, ist die Gemeinwohlarbeit vorüber und zeigte mir meine Probleme in den sozialen Bereichen. In meiner aktuellen Beschäftigung wird mir deutlich mehr geholfen, als in der Gemeinwohlarbeit, doch werde ich dort nicht entlohnt, da wir kein eigenes Gewerk haben. Dem entsprechend sind meine finanziellen Ressourcen noch stärker eingeschränkt als in der Gemeinwohlarbeit und daher kann ich mir weder einen Lektor noch einen Korrektor leisten. So einfach ist das.Überschrift.jpg

Klar, viele werden jetzt so etwas denken wie „Dann veröffentliche deine Bücher doch erst, wenn du das Geld für einen Lektor hast.“ Und DAS will ich nicht. Ich schreibe, um gelesen zu werden. Ich habe Ideen, Gedanken und Konzepte, die ich in Geschichten umsetzen will, und von denen ich will, dass sie gelesen werden. Also will ich sie auch veröffentlichen, sobald ich das Optimum aus meinen Fähigkeiten geholt habe. Und da kommen wir in eine brenzlige, fast schon philosophische Frage: Ist die Leistung eines Lektors oder Korrektoren auch meine? Durch das Einreichen des Manuskripts zum Korrektor und Lektor ist meine Arbeit zu 98 % vorbei. Ich habe danach nur noch die Aufgabe das Feedback umzusetzen, das war es dann. Egal ob mit oder ohne Lektorat und Korrektorat: Die Arbeit, die ICH hineingesteckt habe ist dieselbe.

Doch darum geht es mir nicht. Viele würden ein Buch niemals unlektoriert veröffentlichen und es ist völlig legitim und ist auch empfehlenswert es so zu machen, wenn die finanziellen Mittel es erlauben. Dennoch ist es für mich keine Voraussetzung eine Geschichte zu veröffentlichen oder sie für gut zu befinden. Ein Lektorat macht eine gute Geschichte besser, aber eine schlechte nicht gut.

Im Gaming-Sektor gibt es den Begriff „Paywall.“ Also eine Gebühr in einem Videospiel um fortfahren zu können. Du hast Level 3 von 10 beendet und willst weiter spielen, wirst dann aber zur Kasse gebeten, weil das Spiel sonst entweder deutlich schwerer wird oder gar nicht weitergespielt werden kann. Und so ein Gefühl habe ich auch in der Literatur. Es gibt keinen Zwang, lektoriert zu veröffentlichen. Es gibt kein Gesetz dagegen. Ich kenne sogar Autoren die unlektoriert und nur mit der Hilfe von fantastischen Testlesern veröffentlichen, doch der allgemeine Tenor sagt: Wer nicht lektoriert, sollte nicht veröffentlichen. Und genau daran werde ich mich absolut 0 halten.

Das Geld, dass ich in mein Buch investieren KANN (Denn ich würde, wenn ich könnte!) sagt nichts über meine Fähigkeit aus, ein guter Autor zu sein. Ich habe eine richtig gute Geschichte auf Halde, die ab Februar überarbeitet wird und die veröffentliche ich dann unlektoriert. Ich weiß es klingt total dumm und unlogisch, aber mein Stolz erlaubt es mir einfach nicht, dass Recht auf Veröffentlichung nicht wahrzunehmen, weil ich kein Geld für einen Lektor und Korrektoren habe. Klar, dass Buch an sich wird darunter leiden und dass ich das in kauf nehmen kann, habe ich ja im Erstlingsroman bewiesen. Ob mir die Maßnahme diesen Stolz oder diese Dummheit, „austreiben“ kann, dass weiß ich natürlich noch nicht. Aber zum jetzigen Zeitpunkt steht meine Haltung diesbezüglich fest.

Wie seht ihr das, liebe Leser? Habt ihr vielleicht auch ohne Lektorat veröffentlicht oder habt ihr sogar selber Lektoriert? Kann man als Autor unvoreingenommen das eigene Werk, mit Ausbildung, lektorieren? Habt ihr vielleicht sogar Manuskripte auf Halde, die ihr wegen fehlendem Geld nicht veröffentlichen konntet?

10 Kommentare zu „Kolumne: Warum ich keinen Lektor und Korrektor nutzen kann

  1. Du schneidest dir mit dieser Einstellung ins eigene Fleisch, David. Glaub es mir. Testleser sind nicht das gleiche, wie Korrektoren und Lektoren. Und ich muss es sagen (meine es aber nicht als persönlichen Angriff), deine Stil, Sprach- und Grammatikkenntnisse sind wirklich nicht gut, da reichen keine Betaleser. Wirklich nicht. Du brauchst einen Profi. Deine Twitterkumpanen können dir nicht helfen.
    Veröffentlichst du OHNE Korrektorat, Lektorat wirst du die gleichen Erfahrungen sammeln müssen, wie beim ersten/zweiten Versuch von „Orewood“. Du bist nicht der Maßstab für die Qualitätsmessung, das sind deine Leser, die gute Deutschkenntnisse haben, werden sich nicht mit deiner Output zufrieden geben. Wer zahlt, will Qualität, selbst wenn es nur 99 Cent sind. Du beklagst dich, dass Veröffentlichung auf Wattpad (oder andere Foren) keine Option für dich sind, weil du nicht gelesen wirst. Aber so weh, wie die Wahrheit auch tut: auf Amazon wird dich auch keiner lesen. Du hast einen schlechten Ruf und bist dabei, ihn noch schlechter zu machen. Das ist schade.

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    1. Ich habe nur eine Möglichkeit, da ich veröffentlichen will: Veröffentlichen. So lange Lektoren eben so teuer sind, und für meine Verhältnisse sind 5€ pro Normseite einfach teuer, habe ich keine alternative als unlektoriert und korrigiert zu publishen. Eine Geschichte zu schreiben, bloß um sie auf dem Desktop versauern zu lassen ist nichts für mich. Da würde jede Motivation flöten gehen, ganz ehrlich.

      Aus meiner, wohl eingeschränkten Sicht, habe ich nur 2 Optionen: Einen kostenfreien Lektor und Korrektor finden oder unlektoriert und korrigiert schreiben. Nicht zu veröffentlichen, weil ich nicht so viel Geld habe, ist einfach scheiße, sorry für den Ausdruck. Wozu einen Autoren-Blog haben, wenn ich absolut nichts veröffentlichen kann? Meine ganze Internet-Präsenz wäre dann völlig ohne Sinn und Zweck und ich will gelesen werden. Und für mich persönlich (Und das muss sonst niemandes Ansicht sein!) ist „Wattapad-Autor“ nichts, worauf ich stolz sein würde. Wie mal erwähnt, könnte das wohl ein Arroganz-Problem sein, aber so denke ich darüber einfach.

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      1. Es gibt 2 Alternativen:
        1) Du wartest mit der Veröffentlichung bist du einen Job hast und dir einen Lektor/Korrektor leisten kannst (was viele andere Autoren auch machen müssen).
        2) Du veröffentlichst, schreibst aber klar und deutlich in die Buchbeschreibung, dass das Buch nicht korrigiert/lektoriert wurde (das könnte evtl. Hasskommentare im Zaum halten, aber ich weiß es nicht)
        Natürlich steht es dir frei, alle Argumente zu ignorieren, aber – wie bereits gesagt – dann musst du auch mit den Konsequenzen, die sich ohne Zweifel einstellen werden, leben. Und dann bist du wieder unglücklich und wütend, löschst deinen Blog, startest andere Aktionen etc……. das bringt dir auch nichts. Mach dir doch nicht wieder alles kaputt, was du dir in den letzten Wochen erarbeitet hast. Denke langfristig, lerne, deine Grenzen zu erkennen und übe dich in Geduld. Das ist wahrscheinlich der nächste Schritt für dich in die Welt der Erwachsenen. Man bekommt nicht immer alles was man möchte. Denk einfach mal drüber nach, oder bespreche es mit deinen Therapeuten. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

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      2. Deine zweite Lösung finde ich seht gut! Das werde ich in Betracht ziehen, definitiv.

        Es geht mir ja nicht, vom Schreiben leben zu können oder gar reich zu werden (Als Buchautor reich werden … so unrealistisch bin selbst ich nicht :P) Es geht mir selbst nur um eine Anerkennung meines Aufwands.

        Das Thema der kommerziellen Veröffentlichung bespreche ich oft mit Sozialpädagogen, Psychologen etc und sie können meinen Schritt durchaus nachvollziehen und auch mein gutes Recht auf Anerkennung für die Mühen. Ich WERDE Besser (Wenn du magst, kannst du mir per Mail im Impressum schreiben und ich schicke dir mal meinen ersten Roman-Versuch zu. DAS ist fucking witzig, ey und darüber mache ich mich auch selber lustig und ich denke, du bist nett genug, dass nicht öffentlich einfach so zu veröffentlichen) und eine gewisse Anerkennung dafür zu erhalten ist normal. Ich berprüfe auch aktuell alternative veröffentlichungsstrategien. Möglichkeiten mit Wattapad, Steemit etc aber das ist eben alles noch nicht sicher. Wenn dir eine geeignete Plattform einfällt, dann kannst du es mich gerne wissen lassen.

        Und keine Sorge! Ich mache mir mein Sozial-Skill nicht dadurch kaputt. Sollte mich eine Person so weit „verletzen“ dass das Risiko bestehen KÖNNTE, gehe ich den rechtlichen weg. Tu ich aktuell auch gerade, wobei ich glaube, dass es sich im Sand verläuft. Aber ich weiß deine Sorge WIRKLICH zu schätzen!

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  2. Wir machen einen Deal, David. Du schickst mir das Buch, wenn deine Betas es gelesen haben und du das Buch soweit finalisiert hast. Dann haue ich dir die gröbsten Schnitzer raus (ohne Gewähr, ich bin kein Lektor/Korrektor und auch NICHT perfekt). Im Gegenzug, hilfst du mir technisch MEINEN Blog, aufzubauen (ist im Augenblick noch leer, es fällt mir schwer etc…. lange Geschichte). Du kennst dich da ja eigentlich sehr gut aus. Wie wär’s? Nimmst du das Angebot an?

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