Hat das Schreiben keinen Wert?

Wer meinen Artikel zum Thema Lektorat und Korrektorat gelesen hat, wird erkannt haben, dass sich in der Kommentar-Sektion eine Diskussion aufgetan hat. Ich möchte weder die freundlichen Kommentatoren noch ihre Meinungen ankreiden, denn ihre Ansicht war einfach richtig. Wer Geld für ein Produkt verlangt, muss eine gewisse Qualität erfüllen und diese Qualität in der Literatur erfüllen Autoren durch die Hilfe der Lektoren und Korrektoren. Und im Gegenschluss heißt das einfach: Das Schreiben hat keinen Wert.

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Jeder, der gerne Bücher liest, tut dies, um eine gute Geschichte zu erleben. Doch das stimmt nicht. Selbst die beste Geschichte würde keinen Anklang finden, wenn sie voller Grammatikfehler wäre. Und Logikfehler sind da sogar noch schlimmer. Diese können einer guten Idee jede Qualität nehmen, denn genau das ist die Geschichte: Eine Idee. Sie ist der Kunstanteil an einem Roman, an einer Kurzgeschichte oder sonstigem belletristischen Werk. Sie ist die Grundlage des Künstlers und ohne sie kann nichts entstehen.
Dinge wie Logik und Grammatik sind wiederum der handwerkliche Teil, denn Autoren sind zum gleichen Teil Künstler wie auch „Wort-Handwerker“, wenn man so möchte. Sie machen aus der Idee ein Kunstwerk: Eine Mischung aus Kunst und Handwerk. Eine schlechte Idee in perfektem Handwerk verkauft sich mit Sicherheit besser, als eine fantastische Idee voller Grammatikfehler, denn die Grammatik überliefert die Geschichte.

Handwerk
„Plot steht. So, dann mal ran an das Handwerk!“

In einem Restaurant wird das gute Essen ja auch auf einem ansprechenden Teller serviert. Niemand würde ein Kobe-Rindsteak auf einem dreckigen Pappteller serviert bekommen wollen. Und genau so ist das Handwerk wichtig, um die fantastische Idee (Die natürlich immer die beste Idee aller Zeiten ist) auch passend zu präsentieren. Das Handwerk muss der Geschichte würdig sein. Das ist richtig und wichtig, doch kommen wir da auch in eine gewisse Zwickmühle, denn, bezahlen die Leser also eher das Handwerk, anstatt die Kunst, wenn sie ein Buch kaufen? Und verkaufen wir damit nicht quasi die Arbeiten eines Lektors und eines Korrektors?

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Die Frage, was genau ein Buch eigentlich gut macht, stelle ich mir seit Monaten, doch die Frage sollte eher lauten: Was macht mein Buch verkaufswürdig? Klar, niemand schreibt, um davon reich zu werden. Das ist bei der Literatur sogar noch schwerer, als bei anderen Formen der Kunst, denn man bezahlt keine Kunst, „Der Künstler tut es für die Leidenschaft“, nicht wahr? Dennoch biete ich meinen ersten Roman zum Verkauf an und das, obwohl ich mir bewusst bin, davon vielleicht nie leben zu können. Doch wozu verlange ich dann überhaupt Geld?

Zum einen will ich gelesen werden und aus meiner „Lyr“-Fantasy-Erfahrung weiß ich, dass ein kostenloses E-Book auf einem Blog so gut wie gar nicht gelesen wird. Das Geld, das ich durch „Weil du mir gut tust“ bekomme, ist nicht viel, aber es zeigt, dass meine Arbeit es wert ist, gelesen und auch gekauft zu werden, trotz aller Kritik daran. Die E-Book-Fassung meines ersten Romans wurde immerhin 150 mal in der überarbeiteten Fassung gekauft. Das steigert das Selbstbewusstsein.

Selbstbewusstsein
Selbstbewusstsein ist unbeschreiblich wichtig für jeden Menschen.

Doch sitze ich hier, 2018 vor dem Laptop und bin mir absolut sicher, mir keinen Korrektor und Lektor für mein zweites Buch, welches am 08.02.2018 samt Trailer, Cover und Klappentext, vorgestellt wird, leisten zu können. Und wie wir wissen reicht eine fantastische Geschichte nicht aus, um Geld zu verlangen. Dennoch möchte ich meinen Roman veröffentlichen, um gelesen zu werden. Wie mache ich das jetzt am besten?

Ein toller Vorschlag, den ich gehört habe, war es, in der Buchbeschreibung zu erklären, dass mein Roman weder Korrektorat noch Lektorat erhalten hat. Das ist eine Möglichkeit, doch ob das ausreicht, um Hass-Kommentare abzuwehren, weiß ich nicht.
Die zweite Idee war Wattapad. Eine gigantische Lese- und Schreibcommunity, wo man kostenlos Romane und Geschichten samt Cover und Klappentext veröffentlichen kann und da man es kostenfrei tut, wäre die Anforderung eines Lektorats und eines Korrektorats obsolet, da diese zu teuer für ein Produkt sind, das man kostenfrei anbietet. Aber über die möglichen Vorteile von Wattapad für mich, schreibe ich noch einen separaten Artikel.

So oder so stecke ich mit ProjectSeb gerade in einer Zwickmühle. Die verschiedenen Möglichkeiten zur Veröffentlichung werden aktuell abgewägt. Zurückhalten möchte ich meinen Roman nicht, soviel steht schon fest!

 

Was sind eure Erfahrungen im Bereich Publishing? Wie handhabt ihr Bücher ohne Lektorat oder Korrektorat? Lest ihr auch Bücher auf Seiten wie Wattapad oder einem Blog oder ist das für euch kein „echtes Buch“?