Wie man einen Ort zum Verlieben kreiert

Früher schrieb ich Fantasy Geschichten in einem von mir selbsterstellten Universum. Da war das World-Building existenziell, denn mir waren Dinge wie die Lore sehr wichtig und daher galt ein Großteil meiner Arbeit der Erstellung des Szenarios, doch auch für Romane in anderen Genres sollte dem Szenario viel Liebe entgegengebracht werden.

Überschrift.png

Früher war ich ein großer Fan der TV-Serie „Gilmore Girls“. Das lag jedoch nicht nur an den coolen Charakteren und den knackigen Dialogen, sondern zum Großteil auch an „Stars Hollow“, der fiktiven Kleinstadt in Connecticut, in welcher die Serie spielt. Anfangs war es nur ein Szenario, die Bühne, auf denen sich die Charakter mit ihren Problemen befassen konnten, doch mit jeder weiteren Folge und Staffel kam ein gewisser „Kanon“ ins Spiel.

Orte wie Lukes‘ Diner oder die Stars-Hollow-High befanden sich an bestimmten Punkten innerhalb des fiktiven Ortes und durch all die Episoden wurde ein immer größerer Teil der Kleinstadt abgelichtet und so für den Zuschauer erkennbar. Der Weg vom Haus der Familie Gilmore bis zum Diner oder bis zur Schule, sind für eingestandene Fans nichts unbekanntes mehr. Das liegt daran, dass die Wege zum Großteil am selben Set gedreht wurden. Bestimmte Orte der echten Welt dienten als Vorlage für Stars Hollow und dadurch, dass immer die selben Orte für die Selben Wege genutzt wurden, brannten sich diese Wege ein und verbanden Orte wie das Haus der Familie Gilmore und eben das Diner oder die Highschool.

Map

So entstehen unzählige kleine Verbindungen im Kopf des Zuschauers. Wenn er eine bestimmte Straße sieht, kann er schon erkennen, wohin die Charaktere gehen, ohne dass diese es sagen müssen. Serien haben da natürlich den Vorteil, dass sie ein optisches Medium sind. Dinge wie bestimmte Kamerawinkel, Farbgebung und Kamerafahrten sind Stilelemente, die mir als Autor nicht zur Verfügung stehen, also muss ich da auf andere Mittel zurückgreifen.

Überschrift.png

Mit Orewood, der fiktiven Kleinstadt in „Weil du mir gut tust“ versuchte ich bereits einen gewissen „Kanon“ zu erschaffen und dem Leser ein Gefühl für den Ort zu vermitteln, leider relativ erfolglos. Die Charaktere sind zu oft an zu unterschiedlichen Orten als dass sich der Leser bestimmte Orte anhand von markanten Punkten hätte merken können. Anders sieht das ganze bei „Believe in Heinous Deed„, meinem zweiten Roman aus. Dort gab ich mir unfassbar viel Mühe mit dem Erstellen der Kleinstadt „Qeijot“. Ich erschuf eine kleine Hintergrundgeschichte über die Entstehung des Ortes, die aktuelle politische Lage und erstellte sogar eine (Inoffizielle) Karte:

Map.png
1: Wohnort der Familie Geoffroy (Prota) und Adams (Deuteragonist) 2: Evangelische Glaubensgemeinde von Qeijot 3: Levy-Highschool 4: Stadtpark und Zentrum 5: Landstraße aus Qeijot raus. Richtung Landfall-Farm

Dabei schaffte ich es sogar, viele der Informationen so in die Handlung einzubauen, dass sie mindestens einmal ein Thema sein wird, ohne dass es im Info-Dump endet, das zu meiner Fantasy-Zeit ein echtes Problem war, wie jeder weiß, der mich schon länger begleitet.

Das Geheimnis um einen Ort lebendig werden zu lassen, ist es, ihn wie einen wirklich existierenden Ort zu behandeln. Qeijot hat seine Geschichte, seine Gründerfamilien und seine aktuelle politische Lage, das alles eben auch im Buch thematisiert wird. Besonders einfach kann man diese Informationen über einen „Fish-Out-Of-Water-Character“ vermitteln, also einem Charakter, der neu im Szenario der Geschichte ist, wie es mit Sebastian Geoffroy, dem Protagonisten, der Fall ist.

Überschrift.png

Man weiß, man hat seine World-Building Aufgabe gut gemacht, wenn der Leser sich im fiktiven Ort gut auskennt, so wie es die Fans von Gilmore Girls tun, welche unzählige Fan-Karten erstellt haben. Dieses heimisch fühlen ist das, was ich mit „Belive in Heinous Deed“ versuche zu erreichen. Und ob ich es geschafft habe, erfahre ich, sobald das Werk erschienen ist.