[Tutorial] LibreOffice/OpenOffice für Autoren anpassen

Es gibt Schreibprogramme, wie Papyrus und Patchwork, die sind explizit für die Bedürfnisse von Autoren ausgelegt. Dort sind die Dokumente bereits in Normseiten-Format, es gibt eine Rechtschreib-, und Stil-Analyse, Projekte können als E-Book ausgegeben werden und es gibt Datenbanken für Recherchen und Charaktere. Es sind ideale Programme fürs Schreiben, doch leider sind die auch nicht billig. Papyrus kostet zum Beispiel 180€, Patchwork „nur“ 98€. Das dreiste: Viele Autoren-Schreibprogramme kauft man Versions-Spezifisch. Das heißt, sobald eine neues Version erscheint, muss diese neu gekauft werden. Eine unfassbar dreiste Scheiße. Andere Software verlangt für „Patches“ keine Gebühren, doch es gibt eine Alternative: LibreOffice und OpenOffice.

Diese Programme haben zwar keinerlei Datenbank, Stilanalysen und Co. doch kann dies ebenfalls kostenfrei ausgeglichen werden, was aber einige Arbeit erfordert. In diesem Artikel erkläre ich euch, welche Programme ihr installieren könnt, um ein Papyrus- und Patchwork-Ähnliches Erlebnis zu erhalten. Dafür sehe ich mir die wichtigsten Funktionen genauer an und zeige euch kostenfreie Alternativen:

Normseite

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Die Normseite ist das wichtigste Format für Autoren. Sie gibt eine grobe Übersicht über einen Buch-ähnlichen Umfang und ist die Standard-Vorlage für Lektoren, Korrektoren und Verlage. Eine Normseite besteht aus 30 Zeilen mit insgesamt 1.800 Anschlägen inkl. Leerzeichen. Nicht mehr und auch nicht weniger. Man kann jedes Dokument händisch in dieses Format konvertieren, oder man lädt sich eine Vorlage herunter. Setzt man sich diese Datei auf den Desktop und nutzt diese, statt dem LibreOffice-, oder OpenOffice-Icon, so öffnet sich jedes neue Dokument in der Normseiten-Vorlage.

Wer dies automatisiert haben möchte, öffnet einfach LibreOffice oder OpenOffice mit der Normseiten-Vorlage und drückt Strg+Umschalt+N. Dadurch öffnet sich der Vorlagen-Manager und man hat mehrere Vorlagen zur Auswahl. Man klickt nun auf „Importieren“ am unteren Teil des Fensters und wählt „Meine Vorlagen“. Dann wählt man im Fernster die Normseiten-Datei, („Normseite.ott“) wo auch immer ihr sie heruntergeladen habt, und diese wird dann geöffnet. Oben Links erscheint dann die Normseite zur Auswahl. Dort klickt ihr mit der rechten Maustaste drauf und wählt „Als Standard setzen“. Jetzt öffnet sich jedes neue Dokument in der Normseite!

Rechtreib,- und Stil-Analyse

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Die Rechtschreibprüfung der meisten Schreibprogramme ist sehr ungenau. Es wird quasi nur darauf geachtet, wie ein Wort richtig geschrieben wird, aber Dinge wie Satzregeln werden nicht beachtet. Auch Stil-Analyse-Funktionen wie Wortwiederholungen oder falsche Zeitformen werden nicht beachtet. Dafür hilft natürlich die recht teure Duden-Software, die in Papyrus enthalten ist und bei Patchwork für 35€ zusätzlich gekauft werden kann. Eine kostenfreie und trotzdem gute Alternative ist LanguageTool. Languagetool ist ein Programm, dass sowohl die deutsche Rechtschreibung beherrscht, als auch Stil-Analyse anbietet. Dinge wie „3 Sätze hintereinander, die mit dem selben Wort beginnen“, oder auch umgangssprachliche Wörter werden aufgezeigt.

Das Beste: Das Programm funktioniert sowohl als Website und Addon für FireFox und Google Chrome, als auch als eigenständiges Programm und vor allem als Addon für LibreOffice und OpenOffice. Man lädt das Addon HIER herunter und installiert das Addon dann. Ab sofort wird jedes problem im Stil blau unterstrichen, während jeder Grammatik-Fehler rot unterstrichen wird. Sollte es Probleme bei der Installation in Libreoffice oder OpenOffice geben, lässt sich Languagetool auch als eigenständiges Programm auf dem Desktop installieren.

E-Book Export

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Sobald ein Skript fertiggestellt ist, möchte man es als E-Book veröffentlichen. Viele Dienstleister möchte, dass ihr es in das richtige Format bringt. Patchwork und Papyrus bieten euch diesen Service an. Als LibreOffice-, oder OpenOffice-User muss man sich anderweitig aushelfen. Die einfachste Lösung ist das kostenlose Programm „Calibre„. Damit könnt ihr Word-, LibreOffice, OpenOffice und sogar PDF-Dateien in verschiedene E-Book-Formate konvertieren. Darunter .Epub und .Mobi, den gängigsten E-Book Formaten.

Man wählt seine Datei aus, lädt diese ins Programm und konvertiert sie dann in das gewünschte Format. Man kann auch ein Cover hochladen und eine Beschreibung einfügen. Auch Links funktionieren damit, so fern der E-Reader dies unterstützt. Nach ein paar Sekunden erhaltet ihr euer fertiges E-Book. Ideal für Testleser, die gerne unterwegs lesen.

Figuren-Datenbank

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Die eigenen Charaktere übersichtlich auf einem Blick zu haben, mit allen möglichen Details und Infos, das ist ein wirklich nützliches Feature. Und die kostenfreie Lösung dafür bietet LibreOffice selbst. Mit „Base Datenbank“ ist eine Datenbank bereits in den Schreibprogrammen integriert. Man öffnet LibreOffice oder OpenOffice und wählt im Menü statt „Writer“ einfach die Base-Datenbank aus. Man wählt dann einfach „Eine neue Datenbank erstellen“ und klickt auf „Weiter >>“ Man kann nun auswählen ob die Datenbank bei LibreOffice angemeldet werden soll oder nicht, was ich selber noch nicht ausprobiert habe. Am Ende klickt man auf „Fertigstellen“ und muss die Datenbank zu nächst abspeichern. Hat man dies getan öffnet sich eure neue Datenbank! Eventuell müsst ihr noch eine „JRE“ Installieren, eine Java-Runtime-Enviroment, welches zur korrekten Ausführung benötigt wird. Dafür installier ihr Java am besten neu. Java könnt ihr hier kostenlos herunterladen.

Wenn ihr eure Datenbank erstellt habt, könnt ihr neue Formulare, Tabellen und weiteres dort erstellen. Da ihr eh mit LibreOffice oder OpenOffice schreibt, könnt ihr die Datenbank nebenher laufen lassen und habt eure eigene Datenbank immer im Blick, wenn ihr das denn möchtet. Der Nachteil: Man muss die Datenbank selber füllen. Man muss selber recherchieren und die Ergebnisse in der eigenen Datenbank abspeichern.

Zeitleisten

Bei komplexeren Geschichten ist eine Zeitleiste eine hervorragende Methode um den überblick der Ereignisse zu behalten. Es ist wichtig zu wissen, wann welche Ereignisse passiert sind. Und dafür bieten viele Programme ein eigenes Feature an, jedoch muss man bei LibreOffice und Openoffice wieder auf eine Vorlage ausweichen. Diese Vorlage könnt ihr HIER herunterladen. Ihr könnt diese Vorlagen mit euren eigenen Informationen und Ereignissen füllen und habt so eure eigene Zeitleiste.
Ihr könnt die Zeitleiste auch offen halten, während ihr mit LibreOffice schreibt. Es nutzt das gleiche Programm und spart so Ressourcen eures Computers, aber für Computer mit schwacher Technik habe ich noch eine kleine Alternative!

yWriter

yWriter hat viele Vorteile, vor allem für Computer mit schwacher Leistung. Es ist nur 2 Mb groß. LibreOffice ist zum Beispiel 250 Mb groß. Das Programm ist quasi eine erweiterte Form vom „Editor“ von Windows. Er verbraucht so gut wie keine Leistung und läuft dadurch unglaublich stabil. Abstürze sind quasi kaum möglich.
Doch yWriter bietet noch mehr Vorteile. So speichert es eure Projekte in Kapiteln ab. So habt ihr einzelne Kapitel als einzelne Dateien, die alle gleichzeitig geöffnet werden. Ihr habt also den perfekten Überblick eurer Arbeit. Man kann Szenen, Gegenstände, Orte und sogar Szenen einfügen. Man hat einen ständigen Wortzähler, so das man weiß, wie viel man bereits geschrieben hat. Man kann kann Kapiteln einen Point-of-View geben und vieles mehr. Und falls es noch nicht klar ist. Es ist komplett kostenlos.

Der Nachteil ist, dass das Programm keine wirklichen Autoren-Addons hat. Dinge wie LanguageTool funktionieren, indem ihr sie als externe Programme installiert. Ihr kopiert euren Text und fügt ihn in LanguageTool ein.
Sollte euer PC also zu langsam für LibreOffice oder OpenOffice sein, so ist yWriter eure beste Option!

Das, was Papyrus und Patchwork und Co. euch bieten ist vor allem eines. Komfort. Mit diesen programmen müsst ihr keine eigene Datenbank für Recherche erstellen, müsst kein Languagetool erstellen oder ein externes Programm für E-Book-Formate öffnen. Mit Patchwork, Papyrus und Co. habt ihr alle diese Features an einem Ort. Es ist einfacher. Ob das einem aber 100€ – 180€ wert ist, muss man selber wissen. Wer aber etwas Zeit und Arbeit investiert, bekommt ein ähnliches Angebot an Funktionen ohne weitere Kosten.