Beruhige dich, Schatz. Du bist hier nicht im Internet!

„Beruhige dich, Schatz. Du bist hier nicht im Internet!“ Das sagte mir meine Freundin vor einiger Zeit, als ich ihr ein Bild der Dr. Oetker PR-Maschinerie zeigte. Und daraus entstand ein Gedanke, denn ich heute mal zu Papier bringen will: 99% der Dinge, die im Internet gepostet werden, haben keine Relevanz im echten Leben.

Backen oder Fußball?

Als ich meiner Freundin den „Shitstorm“ im Internet zeigte, den Dr. Oetker wegen dem oberen Bild bekommen hat, nickte sie bloß und das wars. Ich war etwas verwirrt, erklärte ihr, dass dieses Bild doch suggeriert, dass Frauen keinen Fußball mögen, sondern lieber in der Küche backen.
Ich gebe zu, ich habe mich da etwas hineingesteigert, was dazu führte, dass meine Freundin die Diskussion beendete, in dem sie sagte: „Ich mag keinen Fußball und ich backe sehr gerne. Angegriffen fühlen sich nur Leute im Internet.“ Und damit hatte es sich für sie auch. Ich war vollkommen perplex. Sie hatte das Bild gesehen, war damit vollkommen Einverstanden und hatte es vergessen.

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So eine Diskrepanz zwischen den Dingen, die „das Internet“ aufregt und wie diese im echten Leben aufgenommen werden, sind keine Seltenheit. Ich war mehrere Jahre auf Twitter aktiv und habe dort viele Tiefpunkte des Internets erlebt, aber auch die goldene Mitte und ich habe einige Erkenntnisse gewonnen.
Die sozialen Medien scheinen wie eine Parallelwelt zu sein. Sie sehen Probleme, wo „Normal sterbliche“ einfach keine sehen. „Oh my gaaawd! Eine Frau die lieber backt als Fußball guckt und die ihren Mann damit glücklich machen will!“ Als mich meine bessere Hälfte darauf aufmerksam machte, über was zum Teufel ich mich beschweren will, wurde mir klar, wie unfassbar lächerlich das ist und wie unfassbar lächerlich Twitter ist. Ständig echauffieren sich Twitter-User über Dinge, die sie fehlinterpretieren. Über Dinge, die sie oft gar nicht selbst betreffen (Ja dann setzt euch halt an den Fernseher! Ich koche z.b lieber, als Fußball zu gucken, ey.) Doch warum tun die das?

Die subtile Art keinen Fick drauf zu geben

Zu Erst müssen wir festlegen, dass man diese Art von Twitter-User von den gewöhnlichen Usern unterscheiden sollte. Der Einfachheit halber, nennen wir die User, die ich anspreche „Social Justice Warrior“. Doch zurück zur Frage, warum dieese Social Justice Warrior sich so leicht triggern lassen.
Die Antwort lässt sich in einem Artikel von Mark Manson finden. Dort beschreibt er eine Strategie, ein entspannteres Leben zu führen. Der Weg ist recht einfach umschrieben: Man muss lernen keinen „Fick“ zu geben. Doch was heißt das jetzt genau?
In seinem Artikel nennt Manson ein Beispiel mit einer älteren Dame, die in einem Café einen Kellner anpöbelt, weil dieser ihren Gutschein für 10 Cent Rabatt nicht annimmt. Sie schreit ihn an, pöbelt und macht eine riesen Szene und genau so sind diese Social Justice Warrior, von denen ich sprach. Und warum macht die alte Frau (Aka die Social Justice Warrior) das? Laut Manson, weil die Frau in einem Altenheim lebt, seit Jahren keinen Sex mehr hatte, nie besucht wurde und das Ausschneiden der Coupons das aufregendste in ihrem Leben wurde.

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Genau so verhält es sich auch mit den Social Justice Warrior, Ihr Leben ist zu unspektakulär oder zu unwichtig geworden. Doch der Mensch muss sich wichtig fühlen, alleine der Selbstachtung wegen. Also suchen sich die Social Justice Warrior eben eine Plattform aus, die sie kennen (Twitter) und suchen Dort nach Dingen, über die sie sich echauffieren können. Das gibt ihnen ein Gefühl von Bedeutung.
Weiter im Artikel von Manson wird auch erklärt, dass man eine gewisse Anzahl an „Fucks to given“ hat, also Dinge, über die man sich gleichzeitig kümmern kann. Wer sich zum Beispiel über eine völlig harmlose Backwaren-Werbung echauffiert, der hat einen „Fuck“ weniger, den er geben kann, also damit weniger Ressourcen sich um etwas zu kümmern.
Manson Strategie zum besseren, stressfreieren Leben, beinhaltet eigentlich nichts anderes, als sich sich „fucks“ aufzusparen, um sie für wichtigeres auszugeben. Warum, zum Beispiel, ist jemand auf Twitter so derbe beleidigt, wenn Dr. Oetker eine solche Werbung postet? Weil man im Leben nicht besseres zu tun hat, grob gesagt. Das man im Leben so wenig zu tun hat, ist dann ein Problem, dem man sich annehmen sollte, also dem man ein „fuck“ opfert.

Es ist also ganz einfach: Seht ihr etwas, dass Leute im Internet aufregt, dann stellt euch die Frage, wie viele „fucks“ diese Leute wohl in ihrem leben haben müssen, dass sie eines für ein Ding im Internet geben müssen. Ich selbst kenne viele diese No-Fuck-Social.Justice-Warriors, die in einem Tweet ihren Feminismus verteidigen, und im nächsten feucht werden, weil der „Postbote so heiß“ ist.
Natürlich gibt es auf Twitter und in den anderen sozialen Netzwerken auch User, die über wichtige DInge berichten und gerechtfertigte „Fucks“ geben. Wer bei Twitter mal den Hashtag „NotJustSad“ sucht, wird viele Berichte über Depression finden. Etwas, für das man sehr wohl einen „Fuck“ geben soll. Aber über eine Backwaren-Werbung? Das muss ein trauriges Leben sein.

6 Kommentare zu „Beruhige dich, Schatz. Du bist hier nicht im Internet!

  1. Hmm… Schwierig schwierig…
    Also ich muss sagen als ich das Bild gesehen habe, hätte ich auch direkt kotzen können ^^ einfach, weil es so eine unglaublich nervtötende stereotype und unterwürfige Darstellung ist… Und ich finde es definitiv auch gut, dass eben genau se Werbungen diskutiert werden – auch im Netz. Icheine klar, viele Menschen machen sich das zu ihrer eigenen Lebensaufgabe und das ist dann auch wirklich albern und ich sehe es auch so, dass man sich sehr gut überlegen sollte, was man so sehr an sich heran lässt, dass man sich darüber aufregt, denn es ist einfach nicht gut für die Seele. Und es ist im Netz nunmal leider zu Sitte geworden, sich über alles und jeden aufzuregen, als wäre man persönlich vor der Welt bloß gestellt und gefeuert und geteert und gefedert worden… Doch wie gesagt, ein Feedback zu Werbung dieser Art ist nötig. Es ist einfach für eine Gesellschaft immer notwendig, zur Gewohnheit gewordene Aussagen zu einem gewissen Punkt zu hinterfragen und zu überlegen, ob man weiter so verfahren möchte.
    Das mit den ganzen fucks sehe ich also echt eig genauso ^^ auch wenn ich die Formulierung, die en hätten nichts anderes in ihrem Leben, nicht für geglückt halte. Denn nicht jeder hater sitzt im Pflegeheim oder ist untervögelt, isoliert oder Harzer ^^ Viele führen nach außen ein vollkommen erfülltes Leben. Woran es hapert ist glaub ich oft das innere Glück… Und dieses von Natur aus immer-Jammern-wollen. Ständig mimimi… Und alles ist scheiße…
    Manchmal glaube ich, Menschen tun sich schwer damit, glücklich zu sein 😅
    Liebe Grüße und danke für den Beitrag 🙃

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    1. Hi Ho Lunae!

      Es sieht zwar „unterwürfig“ aus, aber man muss halt sagen, dass eine Beziehung so viel tiefer geht als Fußball und Backen. Wenn ich mal was zocke, kommt es oft vor, dass mir meine Freundin was zu essen macht. Und trotzdem bin ich sowas von unter ihrem Pantoffel, das ist der shit. Ich kuschel unfassbar gerne mit ihr, mache ihr jede Woche mindestens 1 mal ein umfangreiches Dinner mit Kerzenschein und wenn ich mir Kleidung kaufe, frage ich mich nicht, was mir gefällt, sondern was ihr gefällt. Die ganze Kritik an dem Bild sagt eigentlich nur eines aus: Frauen dürfen nicht backen, wenn Männer Fußball gucken. Und wäre da jetzt ein Mann der backt, während die Frau Fußball guckt, wäre das dann besser? Ne, wäre ja auch der Stereotypische Hausmann. Man darf Stereotypen nutzen, finde ich und wenn sich Leute durch so ein Bild angegriffen fühlen, dann ist das ein Problem mit den Leuten. Das Bild will doch niemanden verletzen, demütigen oder so.

      Aber es geht mir nicht mal so sehr um dieses Bild, welches ich voll unterstütze, sondern Darum, dass sich Leute auf Twitter und Co. ernster nehmen, als sie es sind. Was wäre z.B, wenn mich Leute auf Facebook als sexistisches Drecksschwein und Incel betiteln (Letzteres ist sogar passiert!) Ja, nichts. Das hat eben keinen Einfluss auf das echte Leben. Das wenigste aus dem Netz hat das. Und wenn man sich dann z.B auf Tiwtter „Feminisitin“ betitelt, und dann über den Sexappeal eines Postboten „aufgeilt“ ist das mehr als nur irrelevant und trotzdem gibt es Leute, die sich dann darüber aufregen, im Internet, was ja eh keine Auswirkung hat. Es ist ein Teufelskreis.

      Diese Formulierung, dass man nichts anderes im leben hat, entnahm ich natürlich aus dem Artikel von Manson, den ich ja verlinkt habe (Ist auf Englisch) Ich beziehe mich nicht auf Rentner, Hartz-IV Empfänger oder der gleichen oder sage, dass diese nichts zu tun haben. Aber so ist das leider auch. Ich schrieb ja auch über #NotJustSad. Wenn jemand gerade einen aktuen Depressionsschub hat, dann wäre ihm so ein Bild von Dr. Oetker doch egal, oder? Oder das Gegenteil: Wenn eine junge Frau gerade dabei ist für ihr Studium bzw eine wichtige Prüfung zu lernen, dann hätte sie für dieses Bild halt keinen Nerv (Also „fuck“) übrig. An dem echauffieren solcher Dinge kann man wirklich gut erkennen, wer im leben etwas bedeutendes zu tun hat. Dich stört das Bild ja auch, und dennoch hast du doch bestimmt keine 12 Tweets darüber geschrieben, wie sehr es dich in deiner Existenz als Frau einschränkt, oder? Jetzt mal als Beispiel 😀 Oder halt ein Hartz-IV empfänger? Wenn der sich auf ein Bewerbungsgespräch vorbereitet, dann ist dem so ein Bild doch sicher völlig egal.

      Wie du sagtest: Es fehlt das innere Glück. Und Leute, die sich über solche Bilder massiv aufregen (Man darf sich angegriffen fühlen!) zeigen dann halt Anzeichen innerer Unzufriedenheit. Und man muss diese eigene Unzufriedenheit erst erkennen, bevor man was dagegen tun kann. Der Artikel von Manson hilft dabei! Wenn man alle seine „Fucks“ auf das wichtigste reduziert, sieht man, was einem im Leben wichtig ist. Wenn es nicht genug ist, weiß man, dass man etwas unternehmen sollte.

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      1. Haha aber natürlich, ich habe auf all meinen unvorhandenen social-media-Kanälen meinen unmut über diesen Post – und natürlich erst recht über deine Freche Rechtfertigung – kundgetan und mich gebührend Echauffiert! xD

        Zum Bild vorerst: Ja, ich bin selbst in einer Beziehung, es ist nur logisch, dass man was für den anderen macht, dass man Kompromisse eingeht, sich aufopfert ect… Eben alles auf ausgewogener und gesunder Basis. Und ich werde sicher nicht damit aufhören, mehr Küchenarbeit, als mein Freund zu machen, nur weil das irgendein Rollenbild bedienen könnte^^
        Ich glaube nur, dass man die Wirkung von Werbung und der Darstellung darin auf die Gesellschaft nicht unterschätzen sollte. Aber ich bin auch kein Fan von „Wir setzen jz extra die Frau auf die Baustelle und der Mann kocht für die Kinder“, das ist ja alles genauso albern, erzwungen und stärkt auf gegenteilige Weise noch mehr die Rollenbilder. Ich habe also nichts dagegen, wenn die Frau in der Werbung dem Mann einen Kuchen backt, doch vllt könnte der Slogan nicht ganz so untertänig sein, denn der ist es einfach, der mir Gänsehaut bereitet…

        So und nun habe ich glaube ich so viel wie noch nie über die „Korrektheit“ einer Werbung diskutiert xD

        Denn ja, eigentlich ist es mir zu unwichtig, als dass ich so viel Lebensenergie darauf verschwenden wöllte xD

        ich wollte dir übrigens auch nicht vorwerfen, dass du hier harz-V Empfänger verurteilst, versteh mich nicht falsch … (Ich glaube, man sollte bei 36° im Schatten keine Kommentare mit dem Handy schreiben, man schafft es nie, alle Gedanken dabei unter zu bekommen und am Ende können leicht misverständnisse entstehen^^)
        Aber ich tu mich immernoch schwer, zu glauben, dass diese Leute sonst nichts derart wichtiges in ihrem Leben haben.
        Was ich viel eher glaube: Wir können daran einfach erkennen, wie enorm sich Realitäten verschieben. Warum regen sich Leute endlos im Netz auf? Warum fangen sie an, irgendwelche Profile in Grund und Boden zu argumentieren (und da meine ich noch nichtmal die ganz krassen Hater, die kommen ja auch noch hinzu)? Natürlich zum Einen, weil sie unzufrieden sind und das kompensieren wollen und vllt lässt sie diese Unzufriedenheit auch nicht erkennen, dass es gerade in ihrem Leben auch wichtigeres gibt…
        Doch der Hauptpunkt ist denke ich, dass vielen mittlerweile nicht mehr so bewusst ist, dass das Internet eben doch nur Internet und nicht das Leben ist. Für viele ist das, was im Netz geschieht zu hundert prozent gleichwertig mit dem, was sie bei sich auf Arbeit oder beim Bäcker erleben. Wenn da jemand also etwas dummes sagt, na dann regt man sich dort eben darüber auf, denn da kann man es ja so viel einfacher als außerhalb dieses Raumes.
        Und zu einer gewissen Weise muss man auch schon eingestehen, dass gerade dadurch, dass das Internet auf viele so eine enorme Wirkung hat, das Netz nicht immer nur Netz ist, sondern definitiv auch die Wirklichkeit beeinflusst.
        Über irgendwelche Bilder braucht man sich deswegen aber lang noch nicht derart aufzuregen 😉

        Liebe Grüße^^

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      2. Ja, habs überall von dir nicht-gelesen!

        Du sagtest ja, man sollte die Darstellungen in der Werbung nicht unterschätzen. Ich denke tatsächlich, man sollte es nicht ÜBERschätzen. Die einzigen, die sich darüber aufregten waren Leute im Internet. Den Leuten im echten leben war das sowas von egal. Selbst denen, die absolut 0 in ein Rollenklischee passen und denen ich das bild zeigte waren völlig desinteressiert darüber. Über den Slogan selbst machte ich mir tatsächlich noch keine Gedanken, gebe ich zu.

        Zu diskutieren ist ja auch gut! Da smacht Spaß und bringt viiiel mehr als 12 Tweets von einem User mit der Reichweite der Entfernung, die ich den User werfen könnte 😛 Hier tauscht man sich aus, und kotzt nicht einfach nur 😀

        Kam auch so nicht an, mit dem Hartz-IV 🙂 Ich war auch jahrelang ohne Beschäftigung und bin erst seit kurzem an der Volkshochschule.

        Ob die User mehr im leben haben? Ich glaube das tatsächlich nicht. Niemand kann ein vollkommen erfülltes Leben haben, und sich trotzdem über ein bild so getriggert fühlen, dass man darüber dutzende Tweets verfasst, zum Boykott der Dr. Oetker Produkte aufruft. Ich kenne solche Social-Justice-Warrior, die sich AUF ihrer Arbeit ÜBER ihre Arbeit beschweren, und das über Stunden. Ist das nicht ziemlich … entlassungsfördernd?!
        Natürlich heißt es aber nicht,d ass JEDER, der sich über das Bild beschwert hat, KEIN Leben hat. Viele haben ein erfülltes Leben und stören sich trotzdem dran. Aber das sind eben User, die nicht dutzende Tweets dazu über Stunden verfassen, einfach weil denen die Zeit fehlt, da sie im Leben besseres zu tun haben 😀

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      3. Ja, es wird vieles generell gerade gerne ÜBERschätzt… Auch was man in den Medien über eiige Debatten mitbekommt… Da werden irgendwelche Aussagen und was weiß ich in Funk und Fernsehen breit getrampelt… Und letztlich bekommt der Sachverhalt dadurch mehr Aufmerksamkeit, als er sonst bekommen hätte^^

        Wie gesagt, ich finde es immer wichtig, wenn sich über solche Bilder und ähnliches ausgetauscht wird, doch es muss auch alles in einem Rahmen bleiben. Ansonszten erreicht man nämlich genau das Gegenteil und alle sind genervt von den Fake-Feministinnen und lehnen jedes Argument, das ansatzeweise aus der Ecke kommt, kategorisch ab… Und das ist absolut nicht förderlich. Es ist wichtig, einiges zu überdenken und sich immer zu fragen, was für Botschaften mit bestimmten Aussagen getroffen werden und es ist gut, wenn es eben auch Feedback gibt von wegen „Leute, das war vllt nicht ganz so geil“, aber diese ständigen Vorwürfe bringen niemanden weiter…. ^^

        Nunja, hach, schön, dass wir uns nicht darüber aufregen müssen 😉
        Danke für den Austausch^^

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