Die Schande des Essen Hauptbahnhof

Okay, jetzt wird es sehr … emotional. Nennen wir es mal emotional und auch persönlich. Das hier wird ein Artikel, an dem ich schon sehr lange immer wieder schreibe, um die richtigen Worte zu finden. Es geht um ein Problem, dass ich mit dem Essen Hauptbahnhof habe, wo ich vermutlich relativ alleine mit stehe, was mich aber wirklich sehr stark einschränkt und darüber möchte ich Mal reden.

Ich habe es im Blog schon einige Male erwähnt: Ich habe eine chronische Darmerkrankung, die mein Leben sehr stark beeinflusst. Sie trieb mich zu vielen meiner sozialen Probleme und sogar zu meinem einzigen Selbstmordversuch. Es ist eine demütigende Krankheit, die im schlimmsten Fall sämtliche sozialen Kontakte zerstören kann. Doch mit der Hilfe der Jugendhilfe-Essen schaffte ich es, eine Grundstabilität in der sozialen Kompetenz zu erreichen und mich wieder im gesellschaftlichen Leben soweit zu integrieren, dass ich dieses Jahr auf die Volkshochschule gehen werde und mein Abi nachhole. Doch der Essen Hauptbahnhof macht mir dieses Ziel unnötig schwerer.

Von Panik und Existenzminimum

In meinem jetzigen Lebensabschnitt lebe ich nur geringfügig über dem Existenzminimum. Ich bin also finanziell alles andere als „Flexibel“. Doch daran arbeite ich ja. Dennoch habe ich jeden Monat bis zu 40€ weniger zur Verfügung, da ich nun Mal auf die sanitären Einrichtungen des Essen Hauptbahnhofs angewiesen bin.
Eine Bahnfahrt ist ein psychosomatischer Albtraum für mich. Ich kann während der Fahrt nicht auf Toilette und das macht jede Fahrt stressiger. Der einzige Grund, wie ich mir diesen Stress 10 Mal die Woche geben kann, sind die Toiletten am Hauptbahnhof. Und bis vor über einem Jahr war das für mich auch kein Problem. Direkt unter der Rolltreppe gab es eine Toilette, das man kostenfrei benutzen konnte. Doch seit über einem Jahr sieht das ganze so aus:

HBF Klo.jpg

Das einzige kostenfreie Klo am Hauptbahnhof ist „Deffekt“.

Dass eine solche Einrichtung, die auch noch kostenfrei ist, und so zentral liegt, nicht immer einwandfrei funktionieren kann, ist ja klar. Aber seit nun mehr als 13 Monaten steht diese Toilette nicht mehr zur Verfügung. Das bedeutet für mich einen Umweg von mehreren Minuten, um zur  nächsten Toilette zu kommen, die einfach Mal 1€ pro Benutzung verlangt. Habe ich einen akuten Schub, muss ich dann 2 mal am Tag dort auf die Toilette und das sind dann eben bis zu 40€ im Monat.
Früher wäre ich einfach zum Burgerking in der Nähe gegangen und wäre dort auf die Toilette gegangen. Doch selbst da gibt es mittlerweile Schranken, die 70 Cent verlangen. 70 Cent um mal auf die Toilette zu gehen! Ich könnte die Preise ja noch verstehen, wenn die zur Instandhaltung der Sanitäranlagen genutzt würden. Aber selbst dann sind 1€ oder eben 70 Cent pro Kunden zu viel und die Toiletten sehen dort immer Scheiße aus! Kaputte Lampen, unabschließbare Türen oder fehlende Toilettenbrillen sind ein zu regelmäßiger Anblick bei Burgerking und Rail & Fresh. Das sind Zustände, die ich vom kostenfreien Klo am Hauptbahnhof erwarten würde, wenn es denn mal wieder offen wäre!

Mangelnde Alternativen und Gutscheine

Ein weiteres Problem am Hauptbahnhof ist, dass es zwar 15 Gastronomiebetriebe wie Asia Hung und Co. gibt, aber keiner von denen eine eigene Toilette anbieten. Muss man Mal auf Klo, so verweisen diese auf „Rail & Fresh“, dem eben angesprochenen 1€-Klo, welches zu beginn 2010 „nur“ 70 Cent verlangte.
Das Bauordnungsamt äußert sich dabei ganz klar unklar. Es müssen nur „Toiletten in ausreichender Zahl“ vorhanden sein, wie viele genau und was diese kosten dürfen oder überhaupt was zu kosten haben, wird nicht definiert. Zu dem ist der Hauptbahnhof stets Sache des Eisenbahnbundesamtes und so gibt es sogar ein McDonalds komplett ohne Sanitäranlagen für Gäste.
Alle 15 Gastronomiebetriebe haben auf eigene Sanitäranlagen verzichtet, denn das „Rail & Fresh“ sei in „zumutbarer Nähe“ für den Kunden. Für Kunden mit Darmerkrankungen oder auch Kindern sind mehrere Minuten oft Ausschlaggebend.

Bildergebnis für Rail & fresh gutscheinDer sehr hohe Preis der Nutzung der Sanitäranlagen von Rail & Fresh wird zu aller Dreistigkeit auch noch mit einem „Wertbon“ ausgeglichen. Jeder, der die 1€ bezahlt, bekommt einen 50 Cent Coupon, den man in den meisten Geschäften des Haupbahnhofs einlösen kann. Doch auch das wird natürlich nur mit einem Haken verkauft: Um den 50 Cent Coupon einlösen zu können, muss man für mindestens 2,50€ einkaufen. Und in meinem persönlichen Fall kaufe ich fast nichts am Hauptbahnhof und wenn doch, dann eine Kleinigkeit vom Bäcker für maximal 1€. Damit ich diesen Coupon überhaupt nutzen kann, müsste ich mindestens das doppelte ausgeben, eine völlige Sinnlosigkeit in meinem Fall und ich stehe da nicht alleine da: Auf der Durchgeh-Schranke sammelten sich, bis lang, immer dutzende Coupons, welche die Gäste einfach drauflegten, da sie diese auch nicht benutzen. Es ist also ein „Geschenk“, dass keiner haben will.

Ich bin mir natürlich im klaren, dass ich mit meinem Problem relativ alleine stehe. Den meisten würden die 40€ im Monat nichts ausmachen. Auch ein Umweg von mehreren Minuten ist den meisten kein Dorn im Auge und auch ich habe es bislang immer geschafft, ohne Zwischenfälle (Bewusstlosigkeit). Doch der Essen Hauptbahnhof ist für mich, als jemand, der ihn täglich nutzen muss, kein entspannter Ort mehr. Das war er zwar aufgrund seines Zustandes noch nie, doch mittlerweile ist er ein Ort, den ich so gut es geht umfahre. Ich habe das Glück, dass es um den Hauptbahnhof viele Geschäfte gibt, die einem auch kostenfrei eine Toilette anbieten. Teilweise sogar die Mitarbeiter-Toilette. Doch bei einem so zentralen und wichtigen Ort wie dem Hauptbahnhof fehlt die kostenfreie Alternative. Und das ist furchtbar schade.