Die Differenzierung zwischen Kunst und Künstler

Wir alle konsumieren Kunst. Mal sind es Bücher, oft aber auch Serien, Games und Filme. Und hinter jedem Kunstwerk steht mindestens ein Künstler und immer wieder steht eine Frage im Raum: Wie sehr beeinflusst die Persönlichkeit eines Künstlers das Kunstwerk?

Anreiz für dieses Thema war eine Diskussion über den leiter des Entwicklerstudios „Warhhorse Studios“, welche sich für das realistische Rollenspiel „Kindgom Come: Deliverance“ verantwortlich zeigten. Daniel Vavra, Studio-Leiter und leitender Entwickler von Kingdom Come, äußerte sich via Twitter auf die Frage, warum es in ihrem Spiel keine farbigen Menschen gäbe. Seine Antwort war simpel: Kingdom Come spielt im Mittelalter in Böhmen und dort gab es keine schwarzen. Und das entfachte eine Diskussion.

Durch Recherche ist einigen Leuten aufgefallen, das Vavra während eines Interviews mit „Game Two“, einer Gaming-Sendung im Auftrag von Funk, einem Content-Netzwerk von ARD und ZDF, ein T-Shirt der Band „Burzum“ trug, dessen Front-Dänger sich politisch und öffentlich klar im rechten Sektor befindet. Seine Aussage auf Twitter und sein T-Shirt ließ vielen Leuten nicht den schluss zu, dass Vavra sich vielleicht täuschen könnte, sondern, dass er Farbige im europäischen Mittelalter „Leugnen“ würde.
Schnell machte sich eine kleine, überschaubare, Hasswelle auf Vavra nieder, die sich jedoch anhand der großen Erwartungen des Spiels, schnell wieder verflüchtigte. Dennoch gab es Leute, die das Spiel breits aufgrund der Möglichkeit einer rechten Ansicht des Künstlers nicht kauften, und da kommen wir wieder zum Streitpunkt.

Die Ansicht des Künstlers

Wenn wir Kunst konsumieren, wissen wir meist nur eines: Es haben mehrere Personen daran gearbeitet. Bei Serien und FIlmen sind es dutzende wnen nicht gar mehr Menschen, die an der Serie beteilig tsind. Von Schauspielern über Regisseuren, Kameramännern, Set-Bildnern und Kostüm-Ersteller. Es ist für uns kaum möglich wirklich zu wissen, wer an einer Serie gearbeitet hat und wenn doch, können wir deren politischen Ansichten nicht immer identifizieren.
Auch bei einem Buch arbeiten mehrere Leute. Der Autor, der Lektor, der Korrektor, der Cover-Designer oder gerne auch mal ein Agent oder ein Verlag, bei welchem dann sogar noch mehr Leute mitmachen.

Und wenn dann eine Person Ansichten vertritt, mit denen wir nicht konform gehen, sollte man das Kunstwerk boykottieren? Klar, den meisten „Shit-Storm“ hat Vavra über Twitter erhalten, was quasi gar kein Gewicht hat, da sich diese Plattform nur noch durch solche übertriebene Aufbauschungen von solchen Kleinigkeiten wie einer Aussage in Kombination eines T-Shirts, am Leben hält. Dennoch regt es zum Nachdenken an. Damit hatte Twitter wenigstens mal etwas erreicht, tat es ja sonst nie.

Ich für meinen Teil sehe mich politisch klar Links-Liberal und bin mit rechten Inhalten nie einverstanden und differenziere mich von ihnen, so gut es geht, auch familiär. Und ja, vermutlich ist Vavra Rechts-Orientiert, da er eine Band hört, dessen Frontsänger rechts ist und dies wohl auch durch seine Songs wiedergibt. Aber was hat das mit der Kunst von Vavra zu tun, mit Kingdom Come: Deliverence?
Game Two bekam auch Kritik wegen des Interviews ab, bei welchem Vavra das fragliche Shirt trug. Und sie haben das Spiel renzensiert und konnten keinerlei rechte Motive entdecken. Auch wurden keinerlei rassistische oder sexistischen Inhalte von anderen, professionellen Rezensenten von Videospielen entdeckt.

Die einzigen, die fragwürdige inhalte gehsehen haben, waren ohne Frage so genante „Social Justice Warrior“, ein Begriff, der zu recht negativ betrachtet wird, auch wenn er die Plattform Twitter ideal umschreibt. Während der Handlung des Spiel kommen nicht nur Menschen aus Tschechien und Deutschland vor, es gibt auch Menschen mti ungarischer und jüdischer Abstammung. Sogar Kumanen, eine asiatische Kultur, kommen in der Handlung vor.
Zwar ist diese Diskussion unfassbar lästig und wurde shcnell als „typisches Twitter-Gedöns“ abgestempelt, aber die Frage bleibt: Wie beeinflusst die Ansicht eines Künstlers sein Kunstwerk?

Ich liebe die Hexer-Geralt Romane und Kurzgeschichtsbände von Andrzej Sapkowski. Seine Art des Beschreibens hat mein Schreiben stark beeinflusst und ich respektiere den Mann. Doch sagte er in einem Interview einst auf die Frage, ob er das erfolgreiche „The Witcher III: Wild Hunt“, einer Videospiel-Adaption seiner Werke, gespielt hätte, dass er es nicht gespielt hätte, jedoch Freunde hat, die es taten, auch wenn es nicht viele seien, da er gewöhnlich nur mit intelligenten Menschen zusammen sei.
Und ja, ich fühlte mich durch seine sehr fragwürdige Aussage angegriffen und er verlor viel Respekt bei mir. Doch was heißt das jetzt für seine Bücher? Ich habe sie weiter gelesen und fand sich noch immer so gut wie vorher. Und nein: In seinen Werken fand ich keine Aussagen, die sich gegen Videospiele richteten, warum auch? Es würde nicht mal passen, so wenig wie ein Metal-Shirt einer rechten Band im Böhmen des Mittelalters.

Fazit

Ich denke also, dass man Künstler und Kunstwerk nicht nur auseinander halten sollte, sondern dass dies auch möglich ist. Denn selbst der links-liberalste Künstler der Welt muss sich Kritik stellen, wenn in seinen Werken fragwürdige Inhalte fragwürdig dargestellt werden. Wobei? Es ist doch Kunst. Sie kann doch alles, oder?