Aktion und Reaktion: Der Herzschlag einer Geschichte

Viele Autoren plotten ihre Geschichten, strukturieren diese also, bevor es zum eigentlichen Schreiben kommt. In diesem Artikel soll es aber nicht darum gehen, ob es nun gut ist, zu plotten oder nicht. Denn bei dem Thema werden Autoren für gewöhnlich zu Kleinkindern und ich bin Freund von Kindern, muss ich zugeben. Was ich heute mit euch teilen möchte, ist etwas, dass jeder Autor nutzen kann, um seine geschriebenen oder geplotteten Szenen zu überprüfen: Den Herzschlag einer guten Geschichte. Wer sich der Diskussion über dieses Prinzip anschließen möchte, kann einfach ins Wortkompass gehen und sich dort austauschen.

Ein Freund von mir ist aktuell in einem Schreib-Forum aktiv, dass ich ihm empfohlen habe. Dort gibt es unzählige Ressourcen und Artikel über das Handwerk des Schreibens, dass meinem Freund ungemein geholfen hat, und die ich mit euch teilen möchte.
Das im englischen als „Scene and Sequel“ Prinzip stammt vom Schriftsteller „Dwight Swain“. Dort wird jede Szene in „Scene“ und „Sequel“ kategoriesiert, oder wie man im Deutschen sagt: In Aktion und Reaktion.

Die erste Szene ist eine Aktionsszene. Diese wird noch einmal in drei Punkte aufgeteilt:

  • Das Ziel
  • Der Konflikt
  • Die Katastrophe

Zu nächst sollten die wichtigsten Szenen ein Ziel haben. Der Protagonist möchte etwas erreichen oder haben. Das ist das Ziel. Doch zwischen dem Protagonisten und seinem Ziel sollte etwas stehen, denn sonst könnte er es sich einfach nehmen und das wäre langweilig. Das ist der Konflikt. Und da der Prota sein Ziel haben möchte und sein Konflikt ihm im Weg steht, kommt es zu einem Ergebnis: Die Katastrophe. In der Regel fällt dieses negativ aus, um die Fallhöhe und die Spannung drastisch zu erhöhen. Aber es kann auch zu einem Erfolg kommen, wenn es dem Plot hilft.

Nehmen wir mal ein Beispiel mit Jay, dem Protagonisten meines ersten Romans:

Jay möchte Lia Blumen schenken und schellt mit einem liebreizenden Blumenstrauß vor dem Haus von Lias Vater. (Ziel) Doch hat sie letzte Woche die Schule geschwänzt und hat Hausarrest (Konflikt). Ihr Vater lässt ihn also nicht in die Nähe von Lia und schlägt dir die Tür vor dem Gesicht zu. (Katastrophe)

Nach der Aktionsszene kommt es zur Reaktionsszene, die auch in 3 Punkte unterteilt wird:

  • Die Resignation
  • Das Dilemma
  • Die Entscheidung

Nach der Katastrophe „Leckt“ sich der Protagonist die Wunden, er überlegt, was schiefgelaufen ist und Resigniert. Dadurch erkennt er auch das Dilemma seiner Situation und dann folgt der Part, wo der Protagonist aktiv wird, er muss eine Entscheidung treffen, wie und ob er das Dilemma lösen kann.

Führen wir dazu das Problem von Jay weiter:

Jay steht vor der verschlossenen Tür und ein winziges Tränchen sucht sich seinen Weg die Wange herunter. (Resignation) Er sieht Lias Zimmer im ersten Stock und eine Ranke, die er zum Klettern benutzen könnte. Doch er ist unfassbar unsportlich und könnte sich dabei ohne Probleme verletzen, doch die Blumen müssen ihrer Bestimmung folgen. (Dilemma) Er klemmt sich die Blumen unter seinem Arm und beginnt mit dem Klettern! (Entscheidung)

Laut Dwight sorgt dieses einfache Prinzip der Szenen-Struktur dafür, dass die Geschichte einen subtilen Pulsschlag hat. Es ist eine wiederkehrende, aber nicht langweilige Struktur, denn in unserem Beispiel hätte Jay auch einfach die Blumen dem Vater für die Tochter geben können, oder die Blumen gar nicht abgeben müssen. Das liegt komplett im Ermessen des Autoren, also euch!

Ich selber habe im Plot meines 3. Romans, über den ich schon einige wenige Worte verloren habe, das Aktions und Reaktionsprinzip genutzt und auch Nicht-Plotter können das Prinzip optimal nutzen. Viele Autoren haben mitten im Schreiben Selbstzweifel und ja: Das ist völlig normal. Das macht jeder Künstler durch.
Wenn ihr euch fragt, ob die Szenen, die ihr geschrieben habt, überhaupt spannend genug sind, dann könnt ihr das Aktions und Reaktions-Prinzip darauf anwenden. Es ist keine Garantie dafür, dass euer Roman fantastisch wird, denn das wird er so oder so, aber mit diesem Prinzip habt ihr eine weitere Stütze für Qualität, selbst, wenn ihr nicht plottet.

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Kategorien Allgemein, Schreiben, Schreibtipps
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