Was „darf“ ein Jugendroman?

Ich bin ein Jugendroman-Autor. Meine Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 11 und 18+ Jahren. Doch wo genau unterscheidet sich ein Jugendroman von einem Roman für „Erwachsene“? Dieser Frage gehe ich heute für euch auf den Grund.

Wer einen Roman schreibt, sollte sich bereits zu Beginn mit der Frage nach der Zielgruppe auseinandersetzen. Entweder man schaut sich an, was für eine Geschichte man schreiben möchte und zu welcher Altersgruppe diese passt oder man schreibt die Geschichte, je nachdem, welche Altersgruppe man sich ausgesucht hat. Je nach Zielgruppe gibt es jedoch einige Dinge, die man beachten sollte die außerhalb der Grenzen des jeweiligen Genres existieren. Denn wir leben mittlerweile in einer Zeit, in der die Entscheidung der Altersgruppe nicht mehr vom Grad der Gewalt abhängig ist, sondern viel mehr von der Prämisse der Geschichte und ihr Rahmen.

Jugendromane und Jugend-Geschichten sind mit das Buch-Genre, welches sich in den letzten Jahrzehnten am stärksten verändert hat, denn auch die Jugend hat sich drastisch verändert. Sie ist nicht gehorsam, was sie wohl nie war. Sie geht nicht auf die Straße, wenn sie Stress mit den Eltern haben, wegen zu lange Nachts weg bleiben. Sie geht viel eher auf die Straße, wenn ihnen ein EU-Weiter Gesetzesentwurf nicht gefällt:

Sebastian Lenßen vor Ort auf der Demo in Köln!

Jugendliche sind erwachsener, als sie es vor zwanzig Jahren noch waren und das spiegelt sich auch in den Medien wider, die sie Konsumieren. Ob es einem Erwachsenen Gefällt oder nicht, aber Jugendliche schauen immer häufiger Inhalte für Erwachsene. Ich selber kenne ein Dutzend Jugendlicher die große Fans der AMC-Erfolgsserie „The Walking Dead“ sind. Und auch hier ertappt man sich schnell dabei, dass man selbst das Konsumieren dieser Inhalte fehlinterpretiert.

„Die schauen das doch nur wegen der Brutalität!“

Als ich noch jünger war (Alt bin ich ja trotzdem nicht), galt man unter gleichaltrigen als besonders hart und „erwachsen“ wenn man bis nach 24 Uhr auf war, um die Sex-Hotline-Werbungen auf RTL im Nachtprogramm zu sehen. Doch das ist mittlerweile kein Garant für das Erwachsensein. Jugendliche schauen „The Walking Dead“ nicht dafür, um zu sehen, wie krass Zombies niedergeschnetzelt werden. Sie schauen es, aus den Gründen, aus denen Robert Kirkman die Walking Dead Comics und Geschichten überhaupt erst erfunden hat: um das Miteinander der Überlebenden in der Zombie-Apokalypse zu erleben, denn die größte Bedrohung sind nicht die Untoten, sondern die lebenden.

Jugendliche können ohne Probleme Inhalte für Erwachsene konsumieren. Wenn es also um Brutalität in der Literatur geht, so muss man sich als Autor nicht mehr Gedanken machen, als bei „Erwachsenenliteratur“. Die Unterschiede zu Jugendromanen sind deutlich seichter. Es geht nicht um die eigentliche Handlung der Story, sondern die Inhalte und ihre Prämisse. Jugendliche sind zwar erwachsener, als man vermutet, aber benötigen immer noch Inhalte mit positiver Botschaft. Darauf sollte man als Autor achten. Nicht die Geschichte oder das Szenario sind das Hauptmerkmal für Jugendromane, sondern die Prämisse. Jugendliche befinden sich in einer oft schwierigen zeit in ihrem Leben und wenn sie ein Buch aufschlagen, sollten sie zu gleichen Teilen Rat, Ablenkung und optional auch Wiedererkennung finden. Jugendliche wollen zu dem eins: Sie wollen ernstgenommen werden.

Kein Jugendlicher erwartet von einem Jugendbuch-Autor, dass dieser in ihrem Alter ist. Wenn dann ein zum Beispiel Mitte Dreißig-Jähriger Autor zwanghaft versucht so „Schreiben“ wie Jugendliche sprechen, nennt man das „Cringe“ Ein unangenehmes Gefühl der Fremdscham, für das es sogar ein animiertes Bild gibt, dass dies widerspiegelt.

Wenn ihr ehrlich zu Jugendlichen seit und sie sich ernst genommen fühlen, dann werden sie euch als Autoren auch ernst nehmen und wenn ihr diesen Ratschlag beherzigt, dann ist das die halbe Miete für euer Jugendbuch.