Wie euch Diversität in Geschichten vergewaltigt

Trigger-Warnung: Psychische Probleme und Vergewaltigung¹

¹Die wohl erste und letzte Trigger-Warnung auf dem Blog …

Diversität in Geschichten. Etwas, dass so gut wie jeder normal denkende Mensch befürwortet. Es ist ein notwendiger und wichtiger Schritt zur Integration von Menschen mit Behinderungen, diversen Sexualitäts- und Geschlechtsidentifikationen. Sie in Geschichten zu haben, ist wichtig, um die Diversität zur Nomalität werden zu lassen. Doch kann eine Integration von Diversität gut und gerne auch zur seelischen Vergewaltigung vom Autor führen.

Ausschlaggebender Punkt für diesen Artikel war ein Twitter-Streit, basierend auf dieser Review:

Hier nutzt die „Rezensentin“ einige Buzzwörter, die sie, wenn man sich die volle Rezension ansieht, selber nicht versteht. Die „Rezension“, und ich tue mich echt schwer sie Rezension zu nennen, weshalb es ab jetzt „Text“ heißt, wurde von „Buchdrache“ (Leute im Internet, die sich „Drache“ nennen, sind ja eh ein Qualitätsmerkmal …) verfasst, welche die Version meines Buches, zu der sie den Text schrieb, nicht gelesen hat.

Aber genug über sie. Es geht um den nachfolgenden Bash auf Twitter, wo unter anderem Katrin I., Britta R. und einige andere „Autoren“ beteiligt waren. Der Thread entstand, weil ich doch die Dreistigkeit besaß, diese Rezension löschen zu lassen. Ich will auch gar nicht so sehr darauf eingehen, was die jeweiligen Beteiligten geschrieben haben, sondern darum, wie es zu diesem Streit überhaupt gekommen ist.

In „Weil du mit guttust“ war es mir immer wichtig, Diversität zu bieten. Wir haben Homosexuelle Charaktere, Bi-Sexuelle Charaktere. Charaktere mit Migrationshintergrund. Transmenschen. Doch trotz der Rufe nach Gleichberechtigung der Diversität, ist dem nicht der Fall.
Im oben gezeigten Text, wird mir Transfeindlichkeit vorgeworfen … weil ich es mir erdreistet habe, dass ein weißer, Bi-Sexueller Mann einer Transfrau hilft, ihre Rechte an der Highschool durchzusetzen. Der Vorwurf führte zum Schluss dazu, dass ich die Szenen mit Transmenschen stark reduziert habe. Sie kommen kaum noch vor. Ist das die Gleichberechtigung, die gefordert wird?

Es wurde, so viel ich aus dem wirren Text entnehmen konnte, damit argumentiert, dass Unterstützung durch einen Bi-Sexuellen Mann (Der im Text als „Cis-Mann betitelt wurde …“) eine Transfrau schwach dastehen lassen würde.
Im Buch bekam die Transfrau eine Geschlechtsanpassung. Wer sich auch nur im geringsten mit dem Prozess einer solchen Anpassung auseinandergesetzt hat, wird wissen, dass niemand, der das über sich ergehen lässt, schwach sein kann. Alleine die Schmerzen, der psychische Druck und der Stress sind mehr, als viele Menschen eigentlich ertragen können. Und selbst nach den Operationen (Denn sind mehr als eine!) endet es noch nicht. Als Transmensch muss man sich rund um die Uhr Blicke gefallen lassen, Bewertungen und viel mehr. Die wenigsten akzeptieren Transmenschen als das, was sie sind.

Und darf eine Transperson sich dann nicht wenigstens EIN MAL Hilfe von jemanden suchen, damit die Schule zumindest erträglich wird? Bedeutet sich Hilfe zu suchen direkt Schwäche? In meinen Augen erfordert es unglaublich viel Selbstbewusstsein, sich Hilfe zu suchen. Denn man muss sich dazu bewusst sein, wo die eigenen Grenzen liegen und diese durch Hilfe überwinden.

Das Problem an der Situation ist, wenn eine heterosexuelle Frau sich Hilfe beim Bi-Sexuellen Mann gesucht hätte, wäre alles in Ordnung gewesen. Doch wehe, es ist eine Person mit Diversität! Dann hast du als Autor gefälligst vorsichtiger zu sein, als ein Neurochirurg bei einer Hirn-OP, denn sonst bist du schlimmer als Hitler!!!!11elf
Diese extreme Überempfindlichkeit steht einer wirklichen Normalisierung von Diversität mehr im Wege als vieles andere. Wenn selbst schon Charaktere durch ihre Diversität anders vom Leser behandelt werden, dann sind wir noch weit weg von Normalität.

Wie soll ein Autor je einen Charakter mit Diversität in die Geschichte integrieren, wenn diese Charaktere immer hervorstechen müssen? Sie DÜRFEN keine Hilfe annehmen, denn sie MÜSSEN stark sein. Und dann wird Stärke immer anders definiert, wie es der eigene Deutungswahn gerade vorschreibt.
Charaktere nur darauf zu reduzieren, was sie zwischen ihren Beinen haben oder haben möchten, hilft niemandem. Man muss sie als normale Menschen behandeln, denn das sind sie auch. Wenn sich eine Cis-Frau Hilfe suchen darf, dann auch eine Transfrau. Da lasse ich auch nicht mit mir reden!

Aber das ist ja nicht der einzige Kritikpunkt am Text.

Wie ich vorhin geschrieben habe, beantragte ich die Löschung des Textes und bekam einiges an „Kritik“ ab. Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, wo „Kritik“ und „Diskussion“ zur Vergewaltigung wird.

Wenn eine Person mit die Diskutieren will, ist es Okay. Doch zwei Personen, die zeitgleich mit unterschiedlichen Argumenten auf dich eindreschen? Oder drei Personen? Vier? Oder sogar fünf?
Stellt euch vor: Fünf Personen stehen um euch herum und fangen gleichzeitig an, ihre „Kritik“ auf euch loszulassen. Ohne Pause und alle wollen von euch gefälligst so schnell wie möglich eine Antwort. Und sie hören einfach nicht auf.

Das führte dazu, dass ich, unter anderem, Katrin I. geschrieben habe, dass sie mich seelisch vergewaltigt. Das war im Grunde falsch, denn den anderen hätte ich das auch so schreiben müssen, tat ich aber nicht, weil ich nicht mehr weiter konnte. Meine Aussage zur Vergewaltigung war richtig und die würde ich jederzeit wieder so abgeben. Das Problem ist eben, dass nur einer von fünf schuldigen Personen diesen Vorwurf bekam.
Der Druck, den man durch diese unzähligen Stimmen bekommt, ist unbeschreiblich. Ich war zwar vorher durch einen Vorfall schon in einer sehr schwachen, psychischen Verfassung, aber trotzdem ging das zu weit. Viel zu weit.

Das Problem ist, dass alle Beteiligten nicht nur gleichzeitig gepöbelt haben, wie es ein guter Ultra tun würde, sie haben sogar das gleiche gepöbelt, in anderer Formulierung. Sie haben gleichzeitig gepöbelt, ohne zu bemerken, dass die Personen vor ihnen das Gleiche getan haben, mit selbem Inhalt.
Dadurch, dass es aber so viele Leute auf einmal waren, kam am Ende nichts durch. Ich geriet in einen Selbstschutz-Modus und blockte alles ab. Dadurch schossen sich die Beteiligten selbst ins Knie, aber was soll’s, was? Hauptsache die eigene, ungebetene Meinung wie ein Hooligan hinausposaunen!

Twitter gibt Leuten eine Stimme, die sie im echten Leben, aus gutem Grund nicht haben.

Auf so etwas muss man vorbereitet sein, wenn man wagt, kritische Themen wie Diversität anzusprechen und in Geschichten zu thematisieren. Doch werden solche Themen erst durch Personen wie diesen „Kritisch“ gemacht, denn sie werden nicht als Normal gesehen. Sie müssen gefälligst mit höchster Sorgfalt behandelt werden, was bei „normalen“ Themen nicht der Fall wäre. Und wenn ihr euch auch nur einen Fehler erlaubt, werdet ihr seelisch in aller Öffentlichkeit vergewaltigt. Viel Spaß dabei.