Warum ich Final Fantasy XV so sehr liebe

Es ist endlich wieder so weit: Ich habe ein neues Video für euch. Dieses Mal geht es um mein derzeitiges Lieblingsspiel, und warum ich es, trotz teilweise harter Kritik liebe.

Das Skript, wenn ihr kein Video gucken könnt/wollt

Kennt ihr das? Ihr hört immer wieder, wie enttäuschend ein heiß erwartetes Spiel sei und dann spielt ihr es und es ist plötzlich euer absolutes Lieblingsspiel? Genau das ist mir vor einigen Monaten passiert. Und zwar mit Final Fantasy XV.

Dabei fing das alles ganz harmlos an. Ich habe von meinem besten Freund gehört, wie sehr er Final Fantasy XV mochte, wusste aber um die ganze Kritik an dem Spiel und zweifelte. Über Monate habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir das Spiel zu holen und mich immer dagegen entschieden, weil die Kritik teilweise vernichtend klang.

Doch irgendwann spielte ich die Kingdom Hearts Reihe, die zu einer meiner absoluten Lieblingsreihen wurde, und ich entwickelte einen Faible für das Writing von Nomura, der an Final Fantasy XV maßgeblich beteiligt war. Also kaufte ich es mir und sogar während es versendet wurde, plagten mich Zweifel, ob es mir denn überhaupt Spaß machen würde. Und als ich es dann einlegte und zirka 2 Stunden angespielt hatte, wusste ich, dass ich das Ding nicht mehr weglegen kann.

Mein Gott, was liebe ich dieses Spiel! Die Charaktere, das Universum und einfach alles! Na ja, fast alles. Doch fangen wir Vorne an. Was ist Final Fantasy XV? Wie der Name schon verrät der 15. Hauptteil der gigantischen Final Fantasy-Reihe. Entwickelt wurde es ursprünglich als „Final Fantasy Versus 13“ und damit als Teil der Unter-Reihe „Fabula Nova Chryystallis“. Dazu gehört auch die Final Fantasy 13-Trilogie und Final Fantasy Type-0.

Zwar wurde, ich glaube 2014 oder 15, das Spiel in Final Fantasy 15 umbenannt, doch die Einflüsse der Nova-Chrystallis sind noch immer klar bemerkbar. Ein Fokus um einen Kristall, der einen Helden auserwählt zum Beispiel. Oder auch kleine Details wie die „Lichtfunken“, kurz bevor man eine der Beschwörungen vollzieht oder der gesamte Terminus „Magitek“, der schon in Type-0 vorkam, sind Überbleibsel aus der Anfänge der wirklich schwierigen Entwicklungszeit von über 10 Jahren. Wer mehr über die Entwicklung von Final Fantasy Versus 13 zu 15 wissen möchte, dem empfehle ich das wirklich großartige Video von Hooked, dass ich euch unten verlinkt habe,

Trotz diverser Schwierigkeiten, wie der Wechsel des Directors, der Wechsel der kompletten Engine und einem Rebranding, entstand am Ende eine wirklich großartige Erfahrung. Aber eben nur am Ende. Die Day-1 Version ist eine fast komplett andere, als die ein Jahr später erschienene Royal-Edition, die ich gespielt habe. Nicht nur, da es 3-DLC-Episoden gibt, die enthalten sind, sondern weil sich auch im Hauptspiel durch Patches viel gemacht hat.

Neue Cutscenes, die sich dem Vorwurf eines komplizierten und unkonsistenten Story-Tellings annahmen und unterpräsentierten Charakteren mehr Screen-Time gaben. Auch die Wünsche der Spieler, wie die Möglichkeit, die Begleiter im Kampf zu steuern oder eine überarbeitung der Fahrzeug-Spielelemente fanden durch Patches ihren Weg in das Spiel. Es wurde über die Jahre zu einem deutlich besseren Spiel und ich hatte Glück, es in dieser Fassung zu spielen.

Kommen wir aber nun zu dem, was mich an Final Fantasy 15 so begeistert. Wer mich kennt weiß, dass ich eine Schwäche für World-Building und Lore habe und in genau diesen Punkten überzeugte mich Final Fantasy XV wie kein anderes Spiel.

Es ist nicht so philosophisch wie ein Elder Scrolls. Es ist auch nicht so tiefgehend wie ein Dungeons and Dragons. Was die Welt von Final Fantasy 15 aber hat, ist Vielschichtigkeit.

„A Fantasy based on Reality“ Damit wurde Final Fantasy XV über Jahre vermarktet. Eos, der Planet auf dem das Spiel stattfindet, repräsentiert diese Philosophie, wie keine andere Welt. Es macht sich nicht die Umstände und entwickelt fantastische, neue Begriffe für Dinge, die es schon gibt. Es gibt dann keinen „Portablen Orbment-Kommunikator“, sondern ein Smartphone. Und damit werden eben auch Selfies Geschossen. Und Magie? Im Großen und Ganzen sind das einfach Granaten. Eine gute Ergänzung zu den Sturmgewehren, die oft verwendet werden, oder?

Der „Fantasy-Anteil“ im Setting kommt von anderen Dingen. Wir hätten da zum einen die Landschaft, die auf den ersten Blick zwar „normal“ wirkt, aber bei genauerem Hinsehen erkennt man gigantische Steinsäulen, die sich durch die Landschaft ziehen und im Hintergrund erkennt man einen Kometen. Und hinterher erfährt man, dass dieser Komet von einem gigantischen Gott getragen wird, den man im Spiel sogar trifft.

Auch durch die Kreaturen vermittelt das Spiel ein Fantasy-Feeling. Wir haben Pferde mit Klingen auf dem Kopf, fliegende Donnervögel, rasende Kakteen und kleine grüne Dinger, die dich mit einem Küchenmesser zur Strecke bringen. Aber selbst da kommen die Gegner nicht von Ungefähr. Sie sind traditionelle Feinde, die es schon über 30 Jahren in der Reihe gibt. Wie haben Mesmerize, Katoren, Tonberrys und viele, viele mehr. Sie waren mal Erfindungen, aber wurden über die Jahrzehnte zu so viel mehr. Nahe zu jeder weiß zum Beispiel, was ein Mogry ist. Oder? Oder?!

Es ist eben wirklich eine Fantasie, die auf der Realität basiert. Quasi eine Realität-Plus! Und das spiegelt sich auch im Hauptkonflikt wieder.

Noctis ist der Prinz eines Königreiches und dieses Königreich wird vom Bösen Imperium durhc einen bösen „Zauberer“ erobert und er muss die Götter um Hilfe bitten! Klingt erst Mal nach Fantasy-Einheits-Brei alà Skyrim. Das ändert sich jedoch in der Inszenierung und Darstellung. In besagtem Königreich wird nicht per Kutsche gefahren. Oh nein! Hier fährt man einen Audi R8 und isst unterwegs Cup Noodles, während man auf seinem Smartphone ein Mobile-Game von Square Enix spielt. Und auch das Imperium schickt nicht nur einen bösen Zauberer vor, um das Königreich zu erobern. Der wird von Soldaten und Maschinen mit Sturmgewehren begleitet, die ganze Hochhäuser zerstören.

Und auch außerhalb des Königreiches prallen Fantasy und Realismus aufeinander. Man fährt mit einem Auto, dass regelmäßig betankt werden muss. Man muss in der Nacht einen Schlafplatz finden, oder man muss zelten.

Diese trivialen Dinge mögen erst mal langweilig oder sogar unnötig wirken. Aber dadurch, dass man mit solchen alltäglichen und bekannten Problemen konfrontiert wird, haben die Fantasy-Elemente einen viel größeren Impact auf den Spieler. In einem gewöhnlichen Fantasy-Spiel erwartet man übernatürliches, wenn du aber im Spiel vorher tanken musstest oder sogar dein Auto abschleppen lassen musstest, hat der Kampf gegen einen Gott eine völlig andere Bedeutung. Denn auch die Charaktere in diesem Spiel sind so etwas nicht gewohnt. [VIDEO VON REAKTION AUF SUMMON]

Doch egal ob man World-Building liebt, so wie ich es tue, oder nicht. Das, was Final Fantasy 15 so gut macht, wie noch kein anderes Spiel vorher, sind die Charaktere. Zumindest die Hauptcharaktere. In Final Fantasy reißt man fast immer in Gruppen. Doch ist ihre Interaktion außerhalb von gescripteten Szenen oft nur sehr … sporadisch. Hier ist es jedoch anders. Schon beim einfach herumlaufen in der offenen Welt gibt es viele interaktionen. Sie unterhalten sich, machen kleine Witze oder ziehen dich zurück, wenn der Kampf beginnt und sie eine Strategie ausarbeiten wollen.

Und wenn der Kampf dann beginnt, glänzt die Animationsarbeit des Entwicklers. Ich mein, seht euch diese flüssige Animation an. Wie sie fließen im Kampf übergeht. Und jeder der Begleitet hat seine eigenen Animationen, die er mit denen des Spieler kombiniert. Gladio haut einfach feste drauf. Prompto ist eher der schnelle und zurückziehende. Und Ignis ist der elegante, der vor allem um Noct besorgt ist.

All die Details zwischen den Charakteren und ihre Interaktion im Kampf und beim Rasten ist so unglaublich gut ausgearbeitet, dass man kaum anders kann, als Ignis, Prompto und Gladio zu lieben. Sie sind nicht nur durch die Hauptgeschichte miteinander Verbunden, sondern waren auch vorher schon Freunde. Und das sieht man zu jedem Zeitpunkt. Selbst in Autofahrten interagieren sie so gut miteinander, wie ich es aus Videospielen nicht gar nicht gekannt habe. Alleine durch die Animation erhalten die Charaktere so viel Persönlichkeit, dass sie mir wichtiger waren, als die Verlobte des Protagonisten, die wir vielleicht 3 Mal im Spiel sehen. Andererseits ist mir auch der Regalia, das Auto der Gruppe, näher ans Herz gewachsen als Lunafreya.

Und da kommen wir auch direkt zur Kritik vieler Spieler. Denn auch wenn die Royal-Edition vieles besser gemacht hat, ist die Geschichte noch immer von Pacing-Problemen geplagt. Die Geschichte ist dann am besten, wenn man sie ohne Unterbrechung verfolgt. Doch das Spiel gibt dem Spieler eine riesige Open-World mit viel Beschäftigung und schädigt dem Pacing der Geschichte dadurch. Ich habe sehr viele Nebenaufgaben im Spiel gemacht. Und dadurch wirkte der Kontrast zwischen der offenen ersten Hälfte und der linearen zweiten viel störender.

Und selbst wenn man von Anfang an der Geschichte folgt, gibt es viele Probleme im Story-Telling. Wie bereits erwähnt bekommt man Lunafreya kaum zu sehen, soll aber unebdingt zu ihr wollen. Auch sterben Charaktere in der geschichte, die man nicht kannte. Nicht wenige Spieler fragten sich in Lestallum „Wer ist Jared“. Auch fernab dieser klaren Schwäche in der Erzählung wirkt es für mich, als seien die beiden Spiel-Hälften unter völlig anderer Philosophie entwickelt worden. Während sich die erste Hälfte mit ihrer Open-World noch auf die Reise konzentriert und die Verbindung zwischen die Charakteren, wie in einem Road-Trip, driftet die zweite Hälfte in eine starke Erzählung über Götter, Verrat und das Schicksal ab. Klar, auch hier wirkt dieser krasse Wechsel deutlich intensiver, da man vorher nur Banalitäten erledigt hat, die trotzdem Spaß gemacht haben. Aber vielen Spielern stieß dieser zu starke Kontrast sauer auf.

Trotz dieser Schwächen ist Final Fantasy 15 mein derzeitiges Lieblingsspiel. Ich habe nahe zu alles konsumiert, was es zum Spiel und dessen Universum gibt. In einem Video sagte „FulltimeGames“, dass es viele Gründe geben kann, wieso jemand sein Lieblingsspiel liebt. Es könnte Nostalgie sein, oder weil es einen in einer schweren Zeit geholfen hat. Und letzteres ist bei mir klar der Fall. Das und das Universum plus die großartigen Hauptcharaktere wiegen für mich deutlich mehr als die Probleme in der Geschichte und ihrem Pacing.

In Final Fantasy 15 erleben wir eine großartige Reise mit sympathischen Freunden in einer Welt, die zwar vertraut wirkt, unsere Erwartungen an ihr aber nimmt und sie völlig über Bord wirft. Wer sich auf diese Aspekte des Spiels konzentriert und die DLC-Episoden spielt, kann eine unvergessliche Erfahrung erleben, sofern ihn die klaren Schwächen nicht zu sehr stören.

Kategorien Allgemein, Games, Kolumne
%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close