Die richtige Schreibzeit finden

Wer Lust hat, einen Roman, eine Novelle oder eine Kurzgeschichte zu Schreiben, sieht sich irgendwann mit einer essenziellen Frage konfrontiert: Wann schreibe ich? Und in diesem Artikel möchte ich auf diese Frage eingehen. Und meine Erfahrungen darüber mit euch teilen.

Meine beiden Schreibzeiten

Im Grunde sollte diese Frage schnell aufkommen und geklärt werden. Ich persönlich zähle zur „Schreibzeit“ auch die Zeit des Plottens, also des Entwurfs der Handlung. Wenn ich also an einem Roman arbeiten will, muss ich auch wissen, wann ich Zeit für das Plotten habe.

hannah-grace-j9JoYpaJH3A-unsplashDas Schreiben ist für mich Arbeit. Dinge wie Videospiele, Serien, Sport und Kochen sind Hobbys. Dort habe ich keinen Druck. Wenn das Essen Scheiße schmeckt, ja dann ist das so. Das Schreiben jedoch ist mehr für mich und daher ist es mir auch wichtig, dass ich es regelmäßig tue. Im Grunde gab es für mich nur zwei Möglichkeiten:

  • Am Morgen schreiben, wenn ich noch nichts gezockt oder geguckt habe. So habe ich eine Art Motivation. „Wenn ich diese 1.500 Wörter fertig habe, kann ich zocken/Serien gucken/Kochen“
  • Am Abend schreiben, wenn ich alle erledigt habe und nur noch das Schreiben als Abschluss des Tages dient.

Während meiner ersten beiden Romane, schrieb ich meist am Morgen, vor dem Zocken oder Kochen. Und ja, es hat geklappt. Doch bei meinem dritten Roman, das ein völlig anderes Genre bedient, als noch die „Y-Series“, funktionierte das für mich nicht mehr.

Der Druck des NaNoWriMo

Wie es der Zufall so wollte, wurde ich mit dem Plotten meines dritten Romans fertig, als der National Novel Writing Month in den Startlöchern stand. Ich nutzte also die Chance und machte beim NaNoWriMo mit, der gestern bereits endete. Und während Kolleginnen und Kollegen auf Twitter ihre beeindruckenden Ziele von 50.000 Wörtern und mehr präsentierten, schaute ich auf mein Manuskript mit Enttäuschung:

26k

Mit gerade einmal 26.686 Wörtern, schaffte ich nur die Hälfte des Ziels. Und selbst mit 50.000 Wörtern wäre mein Roman wohl nicht fertig geworden. Das war für mich aber gar kein Problem. Schon am Anfang des NaNoWriMo schrieb ich auf Twitter, dass sich Autoren nicht unter dem künstlichen Druck des Monats stellen sollten, wenn sie wissen, dass sie unter Druck nicht schreiben können.

Und da kommen wir auch direkt zum ersten Haken für mich: der Druck. Ich kann unter Druck nicht so gut und flüssig schreiben, wie ohne. Ich weiß, dass es viele Kollegen gibt, die bei Druck, zum Beispiel durch einen Verlag, zu Höchstleistungen auffahren. Doch ich ticke da anders. Denn erst durch das Fehlen von Druck, wage ich mich auch an Roman-Ideen, die nicht für jedermann geeignet sind. So weigerte ich mich zum Beispiel, mein erstes Manuskript an Verlage zu schicken, da eine der Botschaften doch recht eindeutig ist:

Ja, Selbstmord kann für viele Menschen eine Erlösung sein und die Schwelle dazu ist geringer, als man vielleicht denken mag.

Was für die einen wie eine klare Meinung zur Sterbehilfe gesehen wird, wird von anderen als Rechtfertigung und Verherrlichung von Suizid gedeutet. Ich selber werde mich nicht dazu äußern, welche der beiden Ansichten stimmt und welche nicht. Es soll nur zeigen, dass mir Druck diese Idee hätte kosten können.

Kojimas Magnum-Opus

Eine weitere Hürde in meiner Schreibzeit stellte Hideo Kojimas Videospiel „Death Stranding“ dar. Ich bin ein großer Fan der Arbeit von Kojima und wartete sehnsüchtig auf sein neues Projekt. Das erste, seit seinem Weggang von der Firma Konami. Und ja: Ich bin hellauf begeistert von dem Spiel und nehme mir sehr viel Zeit es zu beenden. Ich bin nach etwas über 55 Stunden bei etwas mehr als der Hälfte angekommen.
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Und hier fängt das Morgen-Schreiben für mich an, nicht mehr zu funktionieren. Wenn ich Morgens schreibe, ist Death Stranding für mich keine Motivation, schneller zu Schreiben, sondern das Schreiben schneller zu beenden. Während ich in den ersten Wochen des NaNoWriMo um die 400 Wörter am Tag, teilweise auch darunter, schrieb, weil ich Lust auf Death Stranding hatte, hat sich mein Wordcount nun auf mehr als 1.500 Wörter erhöht, da ich nun Abends schreibe.

Wenn ich mich Abends an den Computer setze, habe ich Death Stranding bereits intensiv gespielt. Ich bin fertig mit dem Sport und dem Kochen. Ich muss nichts mehr tun. Dadurch, dass ich keine Aufgaben mehr habe, fühlt sich das Schreiben mehr wie ein Hobby an. Eine Art Belohnung und Abschluss für meinen Tag. Und ja: Es funktioniert für mich. Vielleicht hilft das ja auch anderen Autoren, die Probleme haben, in den Schreibflow zu kommen.

Kategorien Allgemein, Schreiben, Schreibtipps
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