Fantasy und Ihre Inspiration

In jedem Medium ist sie zu finden, seien es Bücher, welche die Grundlage für ganze Franchise liefern oder Serien, die uns in eine neue Welt zerren wollen. Die Fantasy ist allgegenwärtig und hilft aus dem gewöhnlichen Alltag zu fliehen.
Wer hat noch nicht davon geträumt, ein eigenes Universum zu erschaffen, in welchem sich Leute verlieren können? Ein Universum, so authentisch und faszinierend zu gleich, dass selbst kleinste Ereignisse innerhalb des Universums von Menschen aus aller Welt diskutiert und interpretiert werden.
Doch ein faszinierendes Universum zu erschaffen ist gar nicht so einfach.

Eine der größten Inspirationen für moderne Fantasy-Autoren ist Fantasy. Das klingt auf den ersten Blick auch nicht falsch, doch führt das zu Problemen. Fantasy hatte schon immer Probleme mit Eintönigkeit. Zwerge, Elfen, Orks. Das sind die bekanntesten Völker, die man in der Fantasy finden kann. Das wird aufgrund des Erfolges auch oft kopiert, was schwierig ist.

Der Geist und die Moral

Bevor man beginnt sich ein Universum auszudenken, muss man wissen, für welches Medium man es erschafft. Ein Buch hat andere Schwerpunkte als ein Film oder ein Game und auch andere Anforderungen. Aber das Buch als Medium hat auch viele Freiheiten. Man kann seiner Fantasie freien Lauf lassen. Alles kann dargestellt werden, weil es ›nur‹ beschrieben werden muss. Das Darstellen übernimmt dann der Geist des Lesers.

black-and-white-blackboard-business-chalkboard-356043
Jeder Mensch ist Einzigartig darin, was ihm gefällt und was nicht

Und da kommt die Krux: Alles, was Fantasy ausmacht, basiert auf dem Geist von Menschen. Daher ist es nur natürlich, dass sich in Fantasy-Welten Teile einschleichen, die auf den Erlebnissen des Autoren basieren. Das lässt sich nicht vermeiden und am besten sollte man sich dessen bewusst werden und die eigenen Ansichten in die Welt einbeziehen. Jeder Mensch hat eigene Moralvorstellungen; ein eigenes Empfinden was richtig und wichtig ist. Das spiegelt sich auch in den Geschichten wider. Aber auch andere Aspekte einer Geschichte werden so beeinflusst.
Wer also seine Inspiration für Fantasy aus anderer Fantasy bezieht, läuft Gefahr, sich im Weltenbau nicht nur inspirieren zu lassen, sondern auch beeinflusst zu werden. Dabei muss es doch einen Anfang gegeben haben. Irgendein Fantasy-Autor ließ sich nicht von Fantasy beeinflussen, sondern suchte weiter. Und das sollte man auch!

Mythologie und Weltgeschichte

Die »The Elder Scrolls« Videospiel-Reihe ist einer der bekanntesten Fantasy-Werke überhaupt. Der 5. Teil der Reihe alleine verkaufte sich weit über 20 Mio. Mal. Da ist es kein Wunder, dass sich viele Leute von eben jener Fantasy-Welt Inspiration holen, wenn sie ihre eigene Welt erschaffen. Auch ich tat dies ab 2012, was zu meinem nie veröffentlichten »Lyr«-Konzept führte. Doch jetzt arbeite ich an einem neuen Fantasy-Roman und habe deutlich mehr Erfahrung im Weltenbau als noch vor 8 Jahren.

Darya Makarava, Producerin von »Ascendant Studios«, einem Videospiel-Entwickler, schrieb auf ihrem Tumblr-Blog mal: »Holt euch nicht Inspiration von Fantasy, sondern von der Inspiration von Fantasy.« Und das hat mich damals stutzig gemacht. Ich als damaliger unbelesener Bub dachte, dass das gesamte Universum von Elder Scrolls so unglaublich authentisch sei, dass ihre Inspirationsquelle maximal die Werke von Tolkien seien wegen Elfen und so. Und mein Gott, was lag ich falsch!
Als ich Jahre später recherchierte, was die Inspiration des besten Elder Scrolls Spiels sei, und wir alle Wissen, dass Morrowind der beste Teil ist, wurde mir erst die Bandbreite der Möglichkeiten von Inspiration bewusst.

0000009069.1920x1080
Morrowind: Meisterwerk des World-Buildings

Wer Morrowind oder das gleichnamige Addon zum MMO-Ableger gespielt hat, wird vermutlich über die In-Game-Bücher der »36 Lehren des Vivec« gestoßen sein. Einer 36-Teiligen Reihe an religiösen Schriften, verfasst von einem Gottkönig. Damals waren diese Bücher meine größte Inspiration. Sie waren großartig geschrieben, obskur und gaben der Welt um mich herum so viel mehr Tiefe, dass ich förmlich verliebt war.
Und dann, einige Jahre später, recherchierte ich über die Entstehung dieser Texte. Michael Kirkbride, der Hauptverantwortliche der Texte, schrieb in einem Forum, dass er die Texte an einem Abend anfing und beendete. All das unter Einfluss von Whiskey. Und so witzig diese Vorstellung auch wirkt, lässt sich schnell herausfinden, dass das nicht so einfach ist.
Große Teile der Texte fanden Inspiration aus anderen Texten. Und zwar aus Texten der Bhagavad Gita und des Pali-Kanons. Beides umfangreiche Schriften aus dem Hinduismus und dem Buddhismus. So ist Vivec zum Beispiel sehr stark an der androgynen Form des Gottes Shiva namens »Ardhanarishvara« angelehnt. Und das ist kein Einzelfall.
Die Kultur der Nord wurde, wenig subtil, durch die Kultur Skandinaviens inspiriert. Der oberste Gott des kaiserlichen Pantheon, Akatosh, ist ganz klar inspiriert von Jupiter, Thetyi und Tyr. Das Tribunal stammt vom »Trimurti« des Hinduismus ab und es gibt noch viel, viel mehr Beispiele.

Wer schon mal die „Final Fantasy“ Spiele gespielt hat, dem wird der Charakter »Gilgamesh« begegnet worden sein. Gilgamesh ist z.b der Endgegner im Final Fantssy XV DLC »Episode: Gladiolus« und tauchte in mehr Spielen der Reihe auf, als jeder andere Charakter. Und auch sein Ursprung ist in der echten Welt. Gilgamesh, auch »Bilgamesh« genannt, stammt in der sumerischen Mythologie als erster König von »Uruk« auf. Dort gibt es einen Zwist zwischen Gilgamesh und »Agga«, dem Herrscher von Kis. Sein Aussehen wurde oft angelehnt an das Aussehen vom Kriegermönch Musashibo Benkei. Und auch das ist nur ein Beispiel von dutzenden in der Final Fantasy-Reihe.

Sawbones194_FINALFANTASYXVWINDOWSEDITION_20190725_17-13-18
Gilgamesh. Erster Schild des Königs von Eos.

Wer sich mal mit den erfolgreichsten Fantasy-Geschichten befasst und recherchiert, wo ihre Inspirationen liegen, findet man selten andere Bücher, Spieler und Co. Als Referenz. Maximal findet man Werke von H. P. Lovecraft und Tolkien. Doch die beeindruckendsten Fantasy-Welten scheinen ihre Inspiration aus der Mythologie und der Weltgeschichte zu beziehen. Nicht aus der Belletristik. Und auch ich beziehe meine Inspiration von dort.


So ich hoffe, euch hat dieser kleine Exkurs in das World-Building gefallen. Wie ihr wohl bemerkt habt, brauchte dieser Artikel, aufgrund der Recherche-Arbeit deutlich länger als sonst. Das hat aber auch den Grund, das mein Computer wirklich keine Leistung hat. Ab 500 Wörtern auf WordPress fängt der Arbeitsspeicher oder so an zu spinnen, was zu Flackern des Tabs führt. Ich werde mir also entweder einen neuen Weg zum veröffentlichen von Artikeln suchen, oder muss einen anderen Plan aufschlagen.