Das World-Building in Trails of Cold Steel

Wer einen Roman oder eine Geschichte im Allgemeinen schreiben will, wird sich früher oder später mit dem Thema „World-Building“ auseinandersetzen müssen. Das Erstellen einer glaubwürdigen und faszinierenden Welt ist ein wichtiger Bestandteil, um in eine Geschichte hineingezogen zu werden und um in der Welt involviert zu sein. Wer nicht involviert, ist einem die Geschichte egal. Es gibt verschiedene Arten von World-Building in den verschiedenen Arten der Medien. Heute möchte ich über eine wirklich herausragende Art und Weise des World-Buildings sprechen, und zwar aus dem recht unbekannten Video spielt: „The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel“ vom Entwickler „Falcom Nihon“.

In Trails of Cold Steel spielt man den Jugendlichen „Rean Schwarzer“ der seine Schulausbildung an der „Thors Military Academy“ angeht, welche vom Kaiser „Dreichels Reise-Anor“ gegründet wurde. Das sind die Informationen, die man aus den aller ersten Spielminuten erhält. Die The Legend of Heroes Reihe ist Jahrzehnte alt und die Unterreihe Trails of Cold Steel ist ein relativ neuer Ableger davon. Da jedes Spiel des gesamten Franchise in ein und derselben Welt spielt, sieht man sich mit einer Welt konfrontiert, die jahrzehntelang von mehreren Autorinnen und Autoren erstellt und erweitert wurde. Und die Informationen, die man in den ersten Spielminuten bekommt, wirken beinahe erschlagen auf den Spieler. Umso verwunderlicher und beeindruckender ist es, wie sehr man als Spieler am Ende des Spiels in der Welt involviert ist.



Dabei spielt man eben „nur“ einen Schüler einer Akademie. Und trotzdem schafft es das Spiel mir als Spieler die Welt so glaubwürdig und detailliert darzustellen, wie ich es kaum vorher erlebt habe. Dass das Spiel dabei eine an die Playstation 2 erinnernde Technik darstellt, was eine Darstellung der Welt nur noch erschwert, macht die Arbeit der Autoren nur noch beeindruckender. Doch wie schaffen es die Autoren die Welt so glaubwürdig an den Spieler zu übertragen?

Das wundervolle World-Building basiert vor allem auf 3 großen Punkten:

  1. Der Schulalltag
  2. Die Schulausflüge
  3. Die Charaktere

Gehen wir die drei Punkte doch mal durch!

Der Schulalltag. Das kleine World-Building für zwischendurch

Man kennt es ja noch aus seiner eigenen Schulzeit: Man sitzt in einem höchst überfüllten Klassenzimmer und bekommt unablässig Informationen zu geballert. Das ist auch in der Militärakademie im Spiel nicht anders. Der große Unterschied ist jedoch, dass es sich bei der Welt des Spiels um eine Fantasy-Welt handelt. Der Lehrstoff den wir hier konsumieren ist also nicht unbedingt mit unserem gleichzusetzen. Wie erleben natürlich nicht jede einzelne Unterrichtsstunde, sondern nur ausgewählte Passagen die sich mit der Geschichte der Welt beschäftigen.

Zu Beginn bekommen wir in der Unterrichtsstunde eine Frage gestellt und müssen die Antwort erraten. Egal ob wir richtig tippen oder nicht, am Ende erfahren wir definitiv ein Detail über die Welt, das wichtig genug ist, um im Unterricht der dortigen Schule gelehrt zu werden. Das Besondere ist, wenn wir richtig tippen, erhalten wir einen kleinen Bonus im Spiel. Es ist nichts Weltbewegendes und somit schadet es auch nicht, wenn wir falsch antworten. Doch das ist im Schulalltag noch nicht alles.

Denn neben dem normalen Unterricht gibt es auch noch Schulaktivitäten, mit denen wir unsere Zeit vertreiben können. So gibt es eine Bibliothek, in der wir in regelmäßigen Abständen einen neuen Text aufrufen können, der uns ein Stück weit über die Geschichte der Welt aufklärt. Dabei hat man meist nur ein bis zwei Texte, die freigeschaltet werden, was also auch nicht zu überladen wirkt. Und das passt eben perfekt in den Schulalltag und somit auch in das Setting der Geschichte hinein.

Daneben kann man sich noch mit Schülern unterhalten, die immer wieder ihre persönlichen Einblicke auf aktuelle Geschehnisse oder den Schulalltag geben, was auch Teil des World-Buildings ist! Dabei muss man aber sagen, dass die hier enthaltenen Informationen zur Welt alle nur optional sind. Das Spiel, die Geschichte und die Welt funktionieren auch komplett, ohne die hier bekommen den Informationen. Wir sind nur ein Bonus, für Leute die sich mehr mit der Welt auseinandersetzen möchten. Den Großteil des World-Buildings übernimmt der zweite Punkt.

Schulausflüge. Das organische Sightseeing

Der Großteil der Hauptgeschichte im Spiel findet während der sogenannten „Practical Exams“ statt. Ausflüge in verschiedene Teile der Welten, die mehrere Tage andauern und auf welchen Schüler Aufgaben von der Schule zugewiesen bekommen. Diese Aufgaben lassen sich in optionale und erforderliche Aufgaben aufteilen. Werder nur die Geschichte erleben will, muss nur die erforderlichen Aufgaben abschließen. Wer jedoch mehr Hintergrundinformationen und mehr Herausforderung möchte, sollte auch die optionalen Aufgaben annehmen.

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Auf einem Schulausflug kann einiges Passieren

Dabei bietet jeder Schulausflug eine eigene kleine Geschichte an. Diese Geschichten werden durch optionale Nebenaufgaben noch vertieft und bieten einen direkten oder indirekten Zusammenhang mit der Hauptgeschichte des Spiels. Da diese Hauptgeschichte eine sehr politische und globale Handlung umfasst, erfahren wir so auch mehr über die Welt und vor allem über ihre sozialen Systeme. Die verschiedenen Schulausflüge führen uns dabei von kleinen Markt-Dörfern über militärische Festungen bis zu weiten Ebenen in der Natur. Das sorgt dafür, dass wir die Hauptgeschichte aus Blickwinkeln verschiedenster Menschen und sozialer Schichten erleben. Dass wir die Welt um uns herum dann auch mit eigenen Augen zu Gesicht bekommen, schadet trotz der altbackenen Technik nicht. Und wie die Welt sich verändert, wird von den Charakteren individuell aufgenommen. Daher sind auch die Charaktere im letzten. Wichtig für das World-Building!

Vom Hund bis zum Bauern

Lawrence Schick, ehemaliger Lead Lore-Master des MMO-RPGs „The Elder Scrolls Online“ sagte in einem Interview mal, das, wenn man eine glaubwürdige Welt erschaffen möchte, man diese sowohl aus Sicht eines Königs als auch eines Bauern erzählen sollte. Und wenn man diese Welt dann aus Sicht des Hundes des Bauern darstellen kann, ist die Welt wirklich tiefgründig. Trails of Cold Steel scheint diesen Ansatz zu verfolgen.

Da die Klasse, in der wir uns befinden, aus Mitschülern verschiedenster Kulturen und sozialen Ständen besteht, erleben wir Ihre individuellen Reaktionen auf die jeweiligen Ereignisse in der Spielwelt. Wenn ein adliger, die Fraktion, der adeligen zu einem Angriff auffordert, erleben wir die Angst eines bürgerlichen und die Enttäuschung eines Adligen Mitschüler gleichzeitig. So gibt es oft genug kein richtig oder falsch in der Welt. Was den einen Charakter aus der bürgerlichen Mitte sauer aufstößt, könnte dem Austauschschüler aus einem fremden Land, wo es so strikte soziale Strukturen nicht gibt, kaum egaler sein. Dadurch haben wir eine hervorragende Art und Weise herauszufinden, welche Gesellschaftsschichten wie auf die einzelnen Ereignisse reagieren.


Wie ihr seht, bietet Trails of Cold Steel ein hervorragendes World-Building. Es ist eines der besten Beispiele für das Erschaffen einer glaubwürdigen Welt in einem Videospiel. Und auch als Autor kann man sich mehrere großzügige Scheiben davon abschneiden, wie ich finde. Und ich hoffe euch gefällt diese Art von Artikeln. Denn ich habe mir einige Gedanken zu meinem Blog und Social Media gemacht:

Ich bin kein großer Schreibblog Leser. Mein schreib wissen habe ich mir durch harte Arbeit selbst angeeignet und in Schreibratgebern gelesen. Ich möchte auch meinen Blog nicht zu einem Schreibblog machen, sondern eher einen traditionellen Blog erstellen. Also eine Art „aufwendiges Tagebuch“. In den nächsten Wochen und Monaten möchte ich verschiedene Artikel zu verschiedenen Themen, aber immer aus Sicht eines Autoren schreiben. Dieser Artikel hier ist das erste Beispiel dafür. Ein Artikel über Videospiele, mit dem ich es trotzdem schaffe über das Schreiben zu … schreiben. Natürlich bieten solche Artikel auch immer eine gewisse Hilfe für schreibende. Ich möchte aber meinen Blog nicht nur auf Schreibhilfe konzentrieren, sondern auch Inhalte bieten, die nicht-schreibende Personen ansprechen können und die mich auch persönlich sehr interessieren. Wie eben dieser, analytisch wirkende, Artikel zu einem meiner Lieblingsvideospiele.

Daher meine Frage an euch, liebe Leserinnen und Leser: wie gefallen euch Artikel wie dieser hier? Warum seid ihr auf meinem Blog? Und was erwartet ihr hier von mir?