[Review] The Elder Scrolls: Online

Dadaismus. Die Negation des künstlerischen ideals und konsequenter Irrationalismus eben jener. Das war das erste, dass mir eingefallen ist, als ich meinen Xbox ONE Controller beiseite gelegt habe und in den Statistiken sah, dass ich bereits über 300 Stunden in das MMORPG gesteckt hatte. Denn nichts, was ich in meinen Jahren der Videospiel-Erfahrung erlebt habe, war so irrational und gegen jedwede künstlerische ideale, wie The Elder Scrolls: Online.

Dabei war das Game ansich schon eine sehr fragwürdige Idee. Eine Rollenspielemarke, die für ihre Einzelspieler Erfahrung von Spielern gelobt und von ihren Fans vergöttert wird, in ein MMO-Korsett zu zwängen, widerspricht nicht nur den Grundprinzipien der Reihe, sondern hatte auch von Anfang an den faden Beigeschmack typischer „Geldmacherei“, wie wir es in dieser Industrie nur zu gut kennen. Dennoch hatte ich Hoffnung! Ein Elder Scrolls mit anderen Spielern zu erleben, wäre ein Traum. Einer, der sich leider nie erfüllt hat. Denn genauso wie sich The Elder Scrolls: Online von den Wurzeln seiner Reihe verabschiedet hat, bietet es bis auf Namen und Orten nichts, was mich als Elder Scrolls Fan von diesem Spiel überzeugen konnte.

Geneigte Spieler sollten sich an den Anblick von Ladebildschirmeb gewöhnen, wenn sie The Elder Scrolls: Online spielen wollen. Denn davon werdet ihr eine Menge zu Gesicht bekommen.

Das fängt schon bei ganz grundsätzlichen technischen Gegebenheiten an. Das spiel strotzt nur so vor unscharfen Texturen und Grafik Effekten, die ich vor vielleicht zehn Jahren erwartet hätte. So haben wir z.b. Gras, bestehend aus 2D Texturen, welche die Kamera verfolgen. Das sieht nicht nur äußerst bescheuert aus, da wir das Gras durch das Rotieren der Kamera im Kreis drehen können und wenn man genau nach unten guckt, verschwindet das Gras sogar im Boden, es ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Und trotz aller limitierten technischen Anforderungen, läuft das Spiel unglaublich unsauber. Ruckler, Framerate-Einbrüche und das Frame-Pacing ließen bei mir zu keinem Zeitpunkt den Schluss zu, dass hier ein technisch talentierter Entwickler am Werk war. Lediglich die wirklich guten Charaktermodelle, zeugen von handwerklichem Können.
Und normalerweise würde ich über solche Technik hinwegsehen, da ein Spiel aus mehr besteht, als nur der Grafik. Doch auch auf inhaltlicher Ebene versagt das Spiel.

Einer der Eckpfeiler der Elder Scrolls Reihe, ist das erkunden. Sobald du in ein Dorf oder eine Stadt gegangen bist, wusstest du, dass du hier irgendwo mindestens eine Quest abarbeiten kannst. Das ist in Elder Scrolls Online nicht anders und doch deutlich schlechter gelöst worden. In gefühlt jeder Stadt wartet die Quest vor eben jener Stadt oder wenige Meter darinnen. Kaum bist du in der Nähe der Stadt, zeig dir dein Kompass haargenau an, wo die Quest zu finden ist. Man könnte natürlich jetzt argumentieren, dass es dem Spieler unnötige Laufzeit erspart, denn so muss er die Quest ja nicht das suchen. Dich genau hier liegt der Hund begraben: denn in den anderen Spielen der Reihe, machte eben auch das Finden dieser Quest besonders Spaß, weil die Städte und Siedlungen hervorragend gestaltet worden sind. Dass man es überhaupt als Vorteil sehen kann, dass man nicht so viel Zeit in den Städten verbringen muss, zeigt das große Problem des Spiels. Monotonie.

Wenn die Spiel-Engine selber keine Lust auf das Game hat.

354. Genau diese Zahl ist das Sinnbild für die Probleme dieses Spiels. Denn für absolut jede Quest, der letzten 250 von 300 Stunden, bekam ich genau 354 Goldstücke als Belohnung. Immer! Mal eine absolut wertlose waffe dazu, mal eine wirklich wertlose Rüstung. Aber im Grunde immer 354 Goldstücke. Das ist nicht nur unfassbar unmotivierend, denn für das Geld kann man sich so gut wie nichts kaufen, sondern wirkt auch hier äußerst Talentbefreit. Und das Problem daran, dass man für jede Aufgabe die gleiche, viel zu geringe, Belohnung bekommt ist, dass man einfach keine Motivation mehr dafür aufbringen kann, weitere Aufgaben zu bewältigen. Und wenn ein Spiel es nicht schafft, dass du gerne die Aufgaben des spielst löst, hat es einfach versagt. Ich habe in meinem Leben meine Zeit noch nie so sehr verschwendet gesehen, wie bei diesem MMO. Ich wurde für jede einzelne Quest nicht bezahlt. Denn 354 Goldstücke sind fürchterlich wenig. Ein Haus im Spiel bekommt nicht unter 200.000 Goldstücke. Und der Inhalt dieser Aufgaben ist auch noch sehr unspektakulär.
Und bevor wir weitermachen: der Inhalt einer Quest ist nicht das was irgendwelche NPCs sagen oder was in deinem Tagebuch darüber steht. Der Inhalt einer Aufgabe, ist das, was du in dieser Aufgabe machst. Was du aktiv unternimmst und nicht was du passiv wahr nimmst. Ich las oft, wie gut die Dialoge in Elder Scrolls Online sind und ja: sie sind selbst in ihren schlechtesten Momenten noch besser als das Beste, was man in all den anderen Spielen der Reihe findet. Und das muss man dem Spiel auch wirklich zugute halten und ich hoffe auch, dass sich Bethesda die Leute, welche für die Dialoge verantwortlich sind, krallt und sie in ihre eigene Produktion mit einbezieht. Dass die Synchronisationsarbeit auch unglaublich gut gelungen ist, möchte ich hier auch noch mal erwähnt haben. Nahezu jeder auch nur halbwegs namenhafte Synchronsprecher dieses Landes, hat irgendeine Rolle in diesem MMO. Doch nun wieder zu den Quests.
Bei den unzähligen Aufgaben, die wie in einem Ubisoft Open-World-Spiel auf der Karte verteilt sind, ist der Inhalt immer derselbe: mal muss man etwas sammeln, mal muss man etwas töten. Selbst ein The Witcher 3 schaffte es zumindest noch Inhalt in die Dialoge zu bringen, durch Entscheidungsfreiheit. Doch Elder Scrolls Online hat nichts davon. Es hat zwar durchaus sympathische Charaktere aber am Inhalt der eigentlichen Interaktion des Spielers, also dem eigentlichen Spiel, ändert das nichts.

Das, gepaart mit den unwürdigen Belohnungen, macht die Quests zu einer reinen Geduldsprobe. Und mehr als diese Aufgaben kann man kaum machen. Sicher, hier und da gibt es Mehrspieler-Instanzen und Player versus Player schlachten. Doch für jemanden wie mich, der das Spiel als klassisches Game der Reihe spielen möchte, etwas, dass der Entwickler versprochen hatte, sind das keine legitimen Inhalte. Verglichen mit Skyrim oder Morrowind ist Elder Scrolls Online ein großer Rückschritt. Viele beliebte Elemente sind nicht mehr vorhanden. Das Housing wird zum Beispiel durch die absurden Preise gänzlich unmöglich gemacht. Dass erkunden der Welt bringt, bis auf ein paar zufällig platzierter Truhen und einigen Ankern, Player versus Enemy Schlachten, rein gar nichts und dass Spieler durch ihr wahnsinniges Springen und ihre völlig übertriebenenen Kostüme und Reittiere das letzte bisschen Atmosphäre zerstören, muss ich wohl nicht erklären.

Wenn die Engine dann doch mal funktioniert.

Ich habe oft bei kritischen Berichten zum Spiel gelesen, dass es nun mal ein MMO sei und sowas wie redundante Aufgaben und mangelhafte Technik zum Prinzip des Genres gehören. Wenn dem tatsächlich so ist, lässt das für mich nur einen Schluss zu: Ein Genre, dessen fundamentale Inhalte jedweden Spaß und Anspruch vermissen lassen, ist ein Genre, ohne Existenzberechtigung. Das man sich als Entwickler dann dafür entscheidet, einer der größten und erfolgreichsten Fantasy-Marken des Mediums, dessen Eckpfeiler im absoluten Gegensatz zu den MMO-Konventionen steht, einen Ableger in eben jenem Genre spendiert, macht mich zu gleichen Teilen wütend wie auch ungläubig über die scheinbare Inkompetenz der Verantwortlichen.

Am Ende haben wir mit The Elder Scrolls: Online ein Spiel bekommen, dass weder auf technischer, noch spielerischer Ebene irgendwelchen Anforderungen gerecht werden kann. Es ist ein Spiel, fernab der Grundprinzipien seines Namens. Und auch die Tatsache, dass „MMO-Veteranen“ am Spiel beteiligt waren, half nicht. Das ist ein guter Beweis dafür, dass es nicht ausreicht, etwas lange genug zu machen, um es wirklich zu meistern. Seht mich z.b. an! Ich rasiere mich seit Jahren und schaffe es trotzdem mir das halbe Gesicht bei jeder Rasur abzuschneiden. Und dieses Abschneiden des halben Gesichts ist immer noch eine spaßigere Angelegenheit, als The Elder Scrolls: Online.