Die 1-Wöchige Abgeschiedenheit

Im Buddhismus bezeichnet man eine langwierige Abgeschiedenheit zur Stärkung des spirituellen Selbst als „Retreat“. Es ist eine lange Tradition im Buddhismus und wird teilweise über Jahrzehnte praktiziert. Mönche und Nonnen ziehen sich z.b. in wohnbar gemachte Höhlen für über 30 Jahre zurück. Ich selber kann schon allein aus gesundheitlichen Gründen nicht so lange ein Leben in Abgeschiedenheit fristen. Doch zum 85. Geburtstag des Dalai Lama möchte ich zumindest einen kurzen Einblick in diese Tradition gewinnen. Soweit es mir eben möglich ist.

Geplante Abgeschiedenheit

Ich muss zugeben, dass ich noch nie jemand war, der viel unter Menschen lebte. Ich mag Menschen und habe auch kein Problem damit, mich mit neuen Leuten anzufreunden. Doch aufgrund meiner Colitis-Ulcerosa bin ich oft eingeschränkt, was das soziale Leben angeht. Wenn ich also am 6. Juli, am 85. Geburtstag Eurer Heiligkeit des Dalai Lama, mich für 7 Tage zurückziehe, dann fällt mir das womöglich einfacher als anderen Menschen. Auch wenn ich darauf nicht stolz bin.

Doch müssen für so einen Retreat natürlich auch Vorkehrungen getroffen werden. Einfach von einem Tag auf den nächsten nicht mehr rausgehen zu können ist, vor allem als Diabetiker, ziemlich riskant. Ich muss also für eine Woche im Voraus einkaufen und mir einen strikten Ernährungsplan erstellen. Einfach mal eben zum Dönerladen oder mal schnell zum Edeka für etwas Süßes, funktioniert dann nicht mehr. Ich muss nicht nur für Frühstück, Mittagessen und Abendessen für eine ganze Woche sorgen, sondern auch für den Fall, dass ich unterzuckere einen gewissen Vorrat an schnell wirkenden BE (Broteinheit) anlegen. Wobei der oft kleiner ausfällt, als man denkt. Selbst eine Tüte mit Schokoriegeln ist weit mehr als ich selbst in den schlimmsten Fällen in diesen sieben Tagen brauchen werde.

Essen beim Retreat

Und wo wir gerade bei der Ernährungs sind, kann und werde ich dieses Retreat auch dazu nutzen, meine eigene Ernährung zu überdenken. Ich habe oft einfach nicht nachgedacht, was ich esse und einfach drauf los gekocht. Wie fettig oder ungesund mein Mittagessen dann ist, war mir egal. Doch der Körper ist der eigene Tempel, auch wenn meiner schon stark beschädigt ist. Vor allem durch meine Vorerkrankungen ist eine gesunde Ernährung immens wichtig. Also werde ich beim Erstellen eines Ernährungsplans genau darauf achten, was ich wann zu mir nehme.

Doch so ein Retreat hat natürlich noch mehr Hürden. Da ich alternativlos an das Jobcenter gebunden bin, kann ich jederzeit eine Vorladung bekommen, der ich unbedingt nachzugehen habe. Doch ist es schwierig an seine Post zu kommen, wenn man das Haus nicht verlässt. Dafür muss ich eben die eigene Wohnung verlassen. Zu meinem eigenen Glück ist mein Briefkasten direkt neben meiner Wohnung, weshalb ich gut damit zurecht kommen werde. Wenn ich dann eine Einladung bekomme, kann ich wenigstens noch darauf reagieren. Auch ohne direkten menschlichen Kontakt.

Energie ohne Koffein

So ein Retreat bietet aber natürlich auch Möglichkeiten! So möchte ich meinen Koffein-Konsum vollständig herunterfahren. Das wird natürlich ein ziemlich kalter Entzug, der sich auch sehr negativ auf meine Stimmung auswirken wird, aber da ich eh alleine sein werde, wird sich das in Grenzen halten. Das wird dann nicht nur gesundheitliche Vorteile bieten, sondern auch finanzielle. Eine Flasche Mineralwasser oder gar Wasser aus dem Hahn ist deutlich günstiger, als eine Flasche Cola oder eine Dose energy drink.

Doch stellt sich natürlich die Frage, was man während eines Retreat machen soll. Würde ich einen völlig harten Retreat angehen, würde ich völlig frei von Medien meine Zeit verbringen. Doch ist das nicht Sinn der Sache, für den ich diesen Retreat machen will. Videospiele, Serien, Filme und Bücher werden weiterhin von mir konsumiert. Doch habe ich auch einige Pläne:

Zum einen möchte ich anfangen mehr zu lesen. Ich habe zwar den ersten Harry Potter Band innerhalb weniger Tage beendet, was für mich ein Rekord war, doch möchte ich das noch ausweiten. Ich habe bereits Band 2 und 3 der Geschichte um den Zauberer aus dem Lingusterweg gekauft. Und dann wären da natürlich noch buddhistische Mittel, die ich nutzen möchte.

Lehren direkt vom Dalai Lama

Da eure Heiligkeit der Dalai Lama seinen 85. Geburtstag feiert, hat dieser eine ziemlich große Überraschung angekündigt. Am 6. Juli veröffentlicht er ein Album mit 11 Mantras, die er selbst rezitiert. Begleitet von Musik. Dieses Album wird nicht nur als physische CD veröffentlicht, zusammen mit einem wirklich schönen Booklet, sondern auch auf allen gängigen, internationalen Musik Streaming Diensten verfügbar sein. Darunter natürlich auch Spotify. Dieses Album ist der Grund, warum ich dieses Retreat überhaupt mache. Ich möchte die Zeit nutzen und die Musik völlig frei von der Beeinflussung außerhalb erleben.

Ich werde also nicht nur mehr lesen, sondern mich auch den Mantras des Dalai Lama hingeben und als Extra das Buch „Siddhartha“ von Hermann Hesse lesen, welches ich vor einigen Wochen bereits bestellt hatte. Und als Bonus habe ich auch noch den Palikanon in der deutschen Übersetzung. In dieser Woche habe ich also einiges vor. Und ich lasse euch daran teilhaben. Wenn ihr wollt.

Am Ende eines jeden Tages werde ich ein Tagebuch verfassen, wo ich über das Erlebte berichte. Ich kann es natürlich während des Retreat nicht veröffentlichen, da ich mich ja vom Internet abschotte, doch werde ich es nach dem Retreat veröffentlichen. Jeden Tag ein Bericht zu einem der sieben Tage.

Und damit hätten wir es! Das sind meine Pläne für den 85. Geburtstag eurer Heiligkeit des Dalai Lama. Wer da mitmachen will, ist natürlich herzlich dazu eingeladen.