Tag 1 des Retreats

An diesem Tag feiert der Dalai Lama seinen 85. Geburtstag und veröffentlichte zur gleichen Zeit ein Album mit 11 Mantras, rezitiert von ihm selbst. Dennoch war der Tag für mich sehr … Ermüdend.

Ich gebe zu dass es mein Fehler war, dass Retreat mit einem kalten koffeinentzug einzuleiten. Dennoch war es nötig für mich und meine Gesundheit! Doch ich wusste, dass ich an diesem Tag nicht viel reißen würde. Und auch in den Tagen darauf vermutlich wenig. Daher habe ich mir für drei Tage Fertiggerichte besorgt, die ich einfach in der Mikrowelle aufwärmen kann, um immer noch was zu essen, trotz harter Entzugserscheinungen. Doch zum Koffein später mehr.

Denn zu erst wäre da natürlich das Fernbleiben von Social Media, was bei mir nicht so funktioniert hat. Wobei man halt sagen muss, dass ich nur die Startseite von Twitter gesehen habe, weil es eben die Startseite meines Browsers ist. (Ja, Nero, Ich sah deinen Tweet. Viel Spaß bei der „Entspannung“) Ein simples ausloggen hat das Problem aber effektiv gelöst!

Was jedoch nicht so effektiv gelöst werden konnte, war meine „Koffeinsucht“. Ich nehme am Tag sehr viel Koffein zu mir. Lächerlich viel. Ich rede hier von bis zu 2 Liter (zuckerfreien) Energy Drink am Tag. Dass das natürlich nicht gesund ist, ist mir bewusst. Doch das Koffein funktionierte als eine Art „Motivations-Macher“. Und das ist ein übles Problem!

Wer ein gefestigtes Leben hat, mit Freunden, die man oft besucht, einer festen Arbeit und vielen Hobbys, findet oft Motivation in seinem Leben. Das Glück habe ich leider nicht. Früher hatte ich arge Probleme Morgens aufzustehen. Warum sollte ich aufstehen, ich habe doch eh nichts zu tun? Und genau da half das Koffein. Es gab mir die Motivation zu einer Psychologin zu gehen, zu Ärzten zu gehen, und generell alle Termine wahrzunehmen.

Früher war es eine Flasche Cola Light pro Tag. Das war noch halbwegs in Ordnung. Doch der Körper gewöhnt sich an Koffein und die Wirkung lässt stetig nach, was ich mit mehr Koffein beantwortete. Aus 1 Flasche wurden dann 2, dann 3 und dann 4. Und dass ich jetzt bei bis zu 2 l Energy Drink bin, ist einfach zu viel. Und selbst da merke ich so langsam einen Gewöhnungseffekt. Das Problem am Entzug sind dann weniger die Kopfschmerzen, sondern vielmehr die Lustlosigkeit.

Es mag jetzt ziemlich drastisch klingen, aber im Grunde habe ich zurzeit nichts, für dass es sich zu leben lohnt. Und bevor jetzt irgendwelche Alarmglocken angehen: ich habe nicht vor mein Leben zu beenden. Ich bin zur Zeit dieses Artikels 26 Jahre alt. Das ist kein Alter, wo eine Veränderung des Lebens, zu lange dauern würde, als dass man das nicht mehr erleben könnte. Aber Fakt ist, das meine aktuelle Lebenssituation nicht erfüllend ist. Ich habe kaum Hobbys bis auf das Schreiben und Videospiele. Ich habe kaum soziale Kontakte bis auf einem besten Freund und jemanden aus dem Internet.

Und genau da griff dann das Koffein. Trotz meiner Lebenssituation bekam ich so Motivation. Ich hatte Lust aufzustehen, etwas zu unternehmen oder einfach mal beim Jobcenter vorbei zu gehen. Und jetzt, wo das Koffein wegfällt, spüre ich wieder diesen alten trist. Das bloße existieren ist keine Qual aber Spaß macht es auch nicht. Und ich muss auf das Koffein verzichten. Denn es schadet meiner Darmentzündung. Koffein sorgt dafür, dass der Körper deutlich mehr Magensäure produziert und das merke ich. Mein Arzt rät mir von Koffein ab, meine Psychologin rät mir von Koffein ab, alle tun das. Und es macht Sinn. Aber leider keinen Spaß.

Und das war so das Schlimmste am ersten Tag. Auf Twitter fragte ich vor meinem Retreat, was die Leute glaubten, was das Schlimmste sein könnte, dass mir während des Retreat passieren könnte. Mein Bruder schrieb, dass das schlimmste wohl der Fakt wäre, wie belanglos mein Leben ohne digitale Medien wäre. Doch das schlimmste ist der Fakt, wie belanglos mein Leben ohne Koffein ist.